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Bei Heirat Bannfluch, bei Vergewaltigung Versetzung

„Einfach verbrennen … heute nicht mehr“

»Einfach verbrennen“ kann man für das Konstrukt der Machtkirche gefährliche Häretiker „heute nicht mehr“.

Der prominente Erzbischof Emmanuel Milingo hat 2001 geheiratet. Der Vatikan ist entsetzt und belegt ihn mit dem Bannfluch. Im letzten Jahr wurde Erzbischof Milingo noch vom Papst in Rom empfangen. Als Wunderheiler und Teufelsaustreiber wurde er in den 70er Jahren berühmt – man feierte ihn als eine Art »neuen Messias«.

»Mahnmal aktuell« meint:
Wenn Priester in Afrika massenhaft Nonnen vergewaltigen (SPIEGEL 13/2001: »Katholische Priester und Bischöfe nötigen Nonnen und Klosterschülerinnen zum Sex – oft mit Gewalt«), wird das Thema von Rom jahrelang verheimlicht – und nach Bekanntwerden des Skandals heruntergespielt und verharmlost: Es handle sich angeblich um »ein regionales Problem«. Viele Vergewaltiger wurden einfach auf eine andere Stelle versetzt.

Wenn ein Erzbischof heiratet statt Nonnen zu vergewaltigen, schreit Rom auf. Hier ist in der Tat guter Rat teuer: »Einfach verbrennen kann man gefährliche Häretiker heute nicht mehr.« (SPIEGEL 23/2001)
Erzbischof Milingo kann froh sein: Vom 13. – 18. Jahrhundert fielen bis zu 10 Millionen Menschen der Inquisition auf grausamste Art zum Opfer. Der eigentliche Skandal ist die Kirche selbst: Jesus von Nazareth hat weder das Verbrennen Andersgläubiger, noch das Zölibat gelehrt.

PS: Im Jahr 2006 weihte Milingo – mittlerweile mit dem Geständnis, dass Satan Einfluss auf ihn habe, wieder unter die Obhut der Kirche zurück gekehrt und – ohne päpstliche Genehmigung vier verheiratete Männer zu Bischöfen, woraufhin er erneut exkommuniziert wurde. Auch pflegte er wieder den Kontakt zu seiner Frau. Im Jahr 2009 wurde er endgültig suspendiert.