Bamberg

Opfer der Kirche in Bamberg

1.11.1007: Auf einer Kirchenversammlung in Frankfurt gründet Kaiser Heinrich II. das Bistum Bamberg. Wichtigstes Ziel der Gründung: „Die Vernichtung der dort seit langem sitzenden slawischen Heiden“ (Deschner, Kriminalgeschichte, Bd. 6, S. 70). Die Versammlung beschließt, „dass das Heidentum der Slaven vernichtet werden soll“.

27.7.1298: Der berüchtigte Judenverfolger Ritter Rindfleisch lässt in Bamberg durch seine Horden 130 jüdische Männer, Frauen und Kinder foltern und erschlagen oder verbrennen. Darunter sind auch Juden aus Frankreich.

30.4.1451: In Bamberg wird das Judendekret des päpstliche Legaten und Kardinals Nikolaus von Kues veröffentlicht. Von nun an müssen alle Juden ein besonderes Zeichen tragen: Die Männer auf dem Obergewand einen gelben Ring, die Frauen an ihrem Schleier drei blaue Streifen. 490 Jahre später knüpfte Adolf Hitler daran an und befahl das Tragen eines Judensterns.

31.7.1595: Das Zentgericht zu Bamberg verkündet, „dass Margaretha Behemer wegen Teufelsbündnis zu lebendem Brand verdammt wird“.

30.3.1610: In einem Mandat des Bamberger Bischofs Johann Gottfried von Aschhausen werden die Beamten des Hochstifts Bamberg zur Denunziation von „Hexen“ angehalten.

1616: Bischof Johann Gottfried nimmt eine Missernte und einen Frost in der Gegend von Zeil am Main zum Anlass, dort vermeintliche Hexen und Hexenmeister festsetzen und hinrichten zu lassen.
Hintergrund: In Zeil hatten Bestrebungen, die Kirche zu reformieren bzw. zur ursprünglichen christlichen Lehre zurück zu kehren, besonders stark Fuß gefasst. Im Tagebuch des Zeiler Bürgermeisters Hans Lang sind 129 Hingerichtete allein für diesen Ort verzeichnet – bei 300 Einwohnern! Die Aufzeichnungen enden kurz vor seiner eigenen Hinrichtung im Jahre 1628.

6.3.1617: Vier „unholde Frauen“ werden verbrannt, unter ihnen Barbara Ziegler.

13.4.1617: Die Leiche der Anna Rüthsin wird verbrannt. Sie hatte sich im „Druderei“-Foltergefängnis aus Angst, Verzweiflung und den Schmerzen der Folter möglicherweise selbst erhängt.

26.6.1617: Vier „Zauberer“ werden verbrannt: Lorenz Kütsch und seine Mutter Elisabeth, Anna Rinder und Elisabeth Buckel.

7.8.1617: Im Gefängnis stirbt die „Zauberin“ Margaretha Legin – wohl an den Folgen der fürchterlichen Torturen.

27.9.1617: Der Leichnam einer alten „Zauberin“, der Hausfrau des Fritz Buckel, wird verbrannt. Sie war im Gefängnis an den Folgen der Folterungen gestorben.

4.10.1617: Neun „Unholde“ werden verbrannt, unter ihnen Endres Ziegler und Rochus Hoffmann mit seinen zwei Töchtern, die noch ledigen Standes gewesen seien.

18.12. 1617: Sechs „Unholde“ werden verbrannt, unter ihnen Hans Knobelbart.

17.2.1618: Barbara Dennerin aus Niederndorf wird enthauptet, dann ihr Körper zu Asche verbrannt.

18.3.1619: Zwei „Unholde“ werden verbrannt.

27.5.1626: Durch einen Frost erfrieren in der Bamberger Gegend Wein und Korn. Man schreibt das Zauberern und „Unholden“ zu. Der Erzbischof setzt eine Kommission ein, die die Schuldigen verhaften und verhören soll. Es werden dazu 25 Gefängnisse auf Türmen und Erkern in der Umgebung der Stadt gebaut. Im „Hexenhaus“ am Häfnermarkt schmachten manche Bamberger Bürgerinnen jahrelang.

8.6.1627: Die als Hexe angeklagte Anna Düßlein wird, wie ein Protkoll vermerkt, von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, also vier Stunden, auf den Bock gesetzt.
Zum Vergleich: Andere „Hexen“ mussten schon nach einer Viertelstunde, ohnmächtig vor Schmerzen, heruntergenommen werden.

22.9.1627: Hanns Lemprechten wird als „Zauberer“ mit dem Schwert hingerichtet und dann zu Pulver verbrannt. In Zeil am Main stand ein Backsteinofen zum Verbrennen der so genannten Unholde.

24.1.1628: Gemäß Urteil wird die angebliche Hexe Anna Ebert, die eine Hostie verunehrt haben sollte, wegen ihrer schweren Verbrechen zuerst mit glühender Zange gegriffen, dann wird ihr die rechte Hand abgeschlagen, dann der Kopf, und die Leiche wird verbrannt. Ihre Asche wird in der Luft zerstreut. Am selben Tag werden auch Katharina Haan, Ehefrau des Bamberger Kanzlers, und ihre Tochter, ebenfalls mit Namen Katharina, hingerichtet. Der Kanzler selbst ist zu diesem Zeitpunkt in Speyer, wo er, allerdings ohne Erfolg, den Klageweg gegen das Hexenverfahren einleiten will. Auch er wird (s. u.) seinem grausamen Schicksal nicht entgehen.

1.7.1628: Bürgermeister Johann Junius gesteht erstmalig aus Furcht vor neuen Foltern, an einer Teufelsbuhlschaft beteiligt gewesen zu sein. Bei vorausgegangenen Foltern mit Daumenstock, Beinschrauben und Leiter hatte er noch nichts gestanden.
Seiner Tochter schreibt er am 24.7.: „Wer in das haus kompt, der muß ein trudner [Anhänger einer angeblichen „Hexensekte“] werden oder wird so lange gemartert, biß das er etwas auß seinem Kopff erdachte …, vnd sich erst, daß got erbarme, vf etwas bedenke. … Denn sie lassen niht mit den martern nach, biß man etwas sagt; er sey so fromm als er wolle, so muß er ein trudner sein. Kompt auch keiner herrauß, wenn er gleich ein graf wär. … Das darfst künlich für mich schwören, daß ich kein trudner, sondern ein mertirer bin vnd sterb hiemit gefaßt. Guter nacht, denn dein vatter Johannes Junius sieht dich nimmermehr.“
Auch Bürgermeister Junius wird auf Betreiben des Bischofs hingerichtet.
Siehe dazu die Animation von Ralph Kloos.

14.7.1628: Der bambergische Kanzler Dr. Haan, der gezwungenermaßen auch gegen seinen Kollegen Junius aussagen musste, wird früh um halb fünf Uhr im Gefängniss in Gegenwart von 80 Leuten enthauptet. Um neun Uhr morgens des darauffolgenden Tages wird seine Leiche öffentlich verbrannt.
In Bamberg waren unter den Verurteilten der Hexenprozesse zahlreiche Personen von Rang und Namen. Ein wichtiger Grund hierfür wird deutlich, wenn man weiß, dass bei jedem Verhafteten eine Schätzung seines Vermögens mit zu Protokoll gegeben wurde. Kaiser Ferdinand II. ermahnte Bischof Johann Georg Fuchs von Dornheim, mit der „höchst schmutzigen Confiscation“ aufzuhören.

20.7.1628: Die 62jährige Ann Beurin wird mit Daumenstock und Beinschrauben gefoltert. Am 23. Juli wird die Folter auf dem Bock fortgesetzt.

12.10.1629: Durch Urteil des Richters und der Schöffen werden acht Personen verurteilt, mit Feuer lebendig hingerichtet zu werden, weil sie unter der Folter Gott, dem Allmächtigen, erschrecklich abgesagt und sich dem leidigen Satan mit Leib und Seele ergeben hätten. In der Tortur hatten sie gestanden, Hostien durchstochen zu haben, bis Blut daraus geflossen sei. Dafür wurden sie so oft mit glühenden Zangen gebrannt, als sie die Tat angeblich begangen hatten. Vor der Vollstreckung des Todesurteils hackte man ihnen noch die rechte Hand ab.

30.1.1630: Die vierzigjährige Christina Wildenberger ist durch die Anwendung des Bockes so entkräftet, dass sie heruntergenommen werden muss, ohne dass sie gestanden hätte. Sie stirbt im Kerker. Lakonisch vermerkt das Protokoll: „Mortua in carcere.“
Insgesamt sollen im Erzbistum Bamberg bis zu 900 Menschen wegen „Hexerei“ hingerichtet worden sein.

4.2.1631: Barbara Schwarz, Ehefrau des Gänswirts aus Zeil am Main, kommt wieder in Zeil an. Sie war im Jahr davor als „Hexe“ mehrfach gefoltert worden, ohne ein Geständnis abzulegen, und dann aus dem Zeiler Gefängnis entflohen. In Regensburg hatte sie sich Kaiser Ferdinand zu Füßen geworfen und, ein einmaliger Fall, eine Aufhebung der Anklage erreicht. Doch bei ihrer Rückkehr nimmt ihr Mann die mutige Frau nicht mehr auf. Er hatte inzwischen eine andere geheiratet.

1937: Der evangelisch-lutherische Oberkirchenrat Otto Bezzel, der der „Bekennenden Kirche“ angehört, fordert in einer Predigt in der Bamberger Erlöserkirche: „Die Juden sind die Zerstörer und gehören hinausgepeitscht.“ (Ev. Sonntagsblatt Nr. 42/1988, S. 15)
Oberkirchenrat Bezzel war nach dem Krieg von 1947-1962 Personalreferent der Ev.-luth. Landeskirche Bayern und damit dort einflussreichster Mann nach Landesbischof Meiser.

31.1.1944: Der Bamberger Erzbischof Kolb schreibt: „Wenn Armeen von Soldaten kämpfen, dann muss eine Armee von Betern hinter der Front stehen.“

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