Opfer der Kirche in Münster

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Vermutlich in dieser Zeit wird die sächsische Siedlung Mimigernaford von Franken überfallen und niedergebrannt. Die katholischen Franken verfolgen die „heidnischen“ Sachsen als „Ketzer“, verwüsten ganze Landstriche und deportieren Tausende ins Frankenreich. An der Stelle der zerstörten sächsischen Siedlung entsteht später Münster.

1350: Die Juden Münsters bilden die größte jüdische Gemeinde Westfalens. Sie werden für die Pest verantwortlich gemacht und auch in Münster getötet oder vertrieben.

22. Januar 1536: Die Wiedertäufer Jan van Leyden, Knipperdolling und Knechting werden mit glühenden Znagen zu Tode gezwickt und als Leichen in drei Käfigen am Turm der Lambertikirche zum Fraß der Vögel aufgehängt. Bischof Franz von Waldeck schaut der grausamen Hinrichtung zu.

1552: Scharfrichter Velthen aus Paderborn erhält für die Hinrichtung der Kotterschen in Münster acht Taler.

1574: Die Brunincksche und die Mollnersche werden der Wasserprobe unterworfen, gefoltert und verbrannt. Dasselbe Schicksal erreilt die Krumfingersche und Reine Schwirkels.

1585: Die Bottergese erliegt auf dem Weg zur Richtstätte ihren Qualen, ihr Leichnam wird verbrannt.

21. Februar 1594: Anna Kirlahei, der der Tod eines Schweines nach dessen Verhexung zur Last gelegt wird, stirbt nach der Folter ohne Geständnis im Niesingturm zu Münster. Angeblich hat ihr „der böse Feind“ den Hals gebrochen.

18.April 1616: Peter Kleikamp aus Ahlen, 44 Jahre alt, stirbt, nachdem er nach langen Folterungen wahnsinnig geworden war, im Kerker zu Münster.

2. März 1619: Die sechzigjährige Ana zur Steinhorst gesteht nach unsäglichen Folterungen im Niesingturm die unsinnigsten Hexereien und wir zum Feuertod verurteilt. Es wird ihr die Gnade erwiesen, vor dem Einwerfen der Leiter in das Feuer stranguliert zu werden.

19. September 1624: Die von zwei Denunziantinnen der Hexerei bezichtigte Merge Hilmoth, die am 18. September auf Anordnung des Domkapitels der Tortur unterworfen worden war, erleidet, angekettet im Kerker, in der nacht entwetzliche Verzweiflungsanfälle in Gegenwart ihrer Wächter und stirbt unter lautem Röcheln. Am Morgen stellt man fest, dass ihr der Teufel den Hals umgedreht hat. Der Ankläger des Münsteraner Domkapitels befiehlt, dei Leich zu verbrennen, soe jedoch vorher als abschreckendes Beispiel öffentlich zur Schau zu stellen.

3. August 1627: Elsa Buddenboems wird zum Feuertod verurteilt, vor der Hinrichtung gnadenhalber stranguliert. Sie war von verschiedenen Geistlichen, speziell vom Guardian des Minoritenordens, als Hexe denunziert worden.

September 1627: Marie Brüggers stirbt unter der Folter.

23. Juni 1635: Die Magd Greta Bünichmann wird nach durch die Folter erpressten Geständnissen zum Tode durch Feuer verurteilt. Aus „Gnade“ wird sie vor der Verbrennung enthauptet. Gegen starken Widerstand der katholischen Geistlichkeit wird 1995 eine Straße nach ihr benannt.

1657: Der Bischof von Münster, Bernhard von Galen belagert die Stadt Münster, weil sie sich weigert, seine Truppen zu beherbergen. Bei der Belagerung kommen 2000 Angreifer und etwa 100 Verteidiger zu Tode.

19. Juli 1658: Bischof Bernhard von Galen erläßt eine Verordnung gegen „Wickere (Wahrsager), Nachweisere (die nachweisen, wo sich verlorene Gegenstände befinden), Teufelsbännere oder welche den Seegen anmaßen können“

25. Januar 1925: Bischof Johannes Poggenburg schreibt im Vorwort eines Katechismus für Kinder (!), dei Verdammten in der Hölle würden mehr leiden, als ein Mensch sagen kann: „Denke an die Hölle mit ihrer ewigen Qual!“

28. Oktober 1933: Clemens August Graf von Galen wird zum Bischof von Münster geweiht. Er dankt in seiner Predigt Gott, dass er „die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet uznd gestärkt hat, daß sie die furchtbare Gefahr, welche unserem geliebten deutschen Volke durch die offene Propaganda für Gottlosigkeit und Unsittlichkeit drohte, erkann haben und sie auch mit starker Hand auszurotten suchen.“

29. März 1936: Bischof Graf von Galen fordert seine Diözesanen vor der Volksabstimmung für Hitler auf, „ruhigen Gewissens mit J zu stimmen, um so vor aller Welt für die Ehre, Freiheit und Sicherhiet unseres deutschen Vaterlandes einzutreten.“

8. November 1938: In dem „Vademecum für den katholischen Soldaten“ mit Imprimatur des Bischöflichen Ordinariats Münster heißt es: „Der Führer verkörpert die Einheit des Volkes und des Reiches. Er ist der oberste Träger der staatlichen Gewalt. Ihm als solchem zu gehorchen, ist der christliche Deutsche auch ohne Eid gebunden.“

29. September 1941: Der Sicherheitsdienst Hitlers vermerkt anerkennend über den neuesten Hirtenbrief von Bischof Graf von Galens: „Eine durchaus positive Betrachtung der kriegerischen Ereignisse und vor allem seine klare Stellungnahme gegen den Bolschewismus.“

10. Dezember 1941: Aus Münster und Umgebung werden bis zum 12. Dezember etwa 400 Jüdinnen und Juden deportiert. Obwohl von einem Juden eigens dringend und verzweifelt darum gebeten, unternahm Bischof von Galen nichts dagegen, obwohl er noch im August gegen Euthanasie und Kosterbeschlagnahme protestiert hatte (weswegen er bis heute als „Widerstandskämpfer“ gilt.)

15. März 1942: Bischof Graf von Galen verkündet in einem Hirtenbrief: „Damit komme ich zum Trost, den wir gerade am heutigen Tag brauchen, aber auch zur besonderen Ehrung, die wir unseren gefallenen Kriegern schulden. ... Sie wollten in einem neuen Kruezzug mit dem Feldgeschrei ‘Gott will es’ den Bolschewismus niederringen, wie es vor wenigen Tagen der spanische Befreier Franco in einer Rede zu Sevilla mit christlicher Zielsetzung rühmte. Für Europa starben sie, um die drohende rote Flut abzuwehren ...“

7. Oktober 1975: Bischof Heinrich Tenhumberg entzieht Horst Herrmann, Professor für Kircherecht an der Universität Münster, die krichliche Lehrerlaubnis wwegen einer Denkschrift gegen das bestehende Verhältnis von Staat und Kirche.