Opfer der Kirche in Erfurt und Thüringen

16.6.1221: Durchziehende Teilnehmer eines Kreuzzugs ins „Heilige Land“ lösen eine Judenverfolgung aus. Man wirft den Erfurter Juden einen „Ritualmord“ vor. Mit dem Schlachtruf „Taufe oder Tod“ erstürmt ein aufgewiegelter Haufe ihre Synagoge und zündet sie an, ebenso wie das gesamte Judenviertel. Viele Juden werden gefoltert und getötet.

1232: Der berüchtigte Inquisitor Konrad von Marburg lässt in Erfurt vier „Ketzer“ auf dem Scheiterhaufen hinrichten.

1279: Der Mainzer Erzbischof verhängt ein drei Jahre währendes Interdikt (Bannfluch, Verbot aller kirchlichen Handlungen) über Erfurt, um dessen Selbständigkeitsbestrebungen zu schwächen.

27.3.1329: Papst Johannes XXII. verurteilt die Lehren des im Jahr zuvor unter ungeklärten Umständen gestorbenen Meister Eckehard. Eckehard, der lange in Erfurt lehrte, ist einer der größten deutschen Mystiker. Durch die inquisitorische Verurteilung geriet sein Werk für mehr als 500 Jahre in Vergessenheit.

21.3.1349: Die meisten in Erfurt lebenden Juden (vermutlich etwa 3000) werden ermordet, weil man sie für die Pest verantwortlich macht. Mit Kreuz und Fahne zieht der Pöbel zum Judenviertel. Etwa 100 Juden sterben bei der Erstürmung, die anderen zünden in aussichtsloser Lage angeblich ihre Häuser selber an und sterben den Feuertod.

1350: Ein Begarde* namens Konstantin stirbt in Erfurt als „Ketzer“ auf dem Scheiterhaufen.
*Begarden und Beginen (das weibliche Pendant) bildeten als Laien spirituelle Wohngemeinschaften, die sich unabhängig von der Kirche zu entwickeln versuchten.

1369: Der Inquisitor Walter Kerlinger lässt in ganz Thüringen Begarden sowie die ketzerischen „Brüder des freien Geistes“ ergreifen und zahlreiche davon umbringen.

1453: Der für Erfurt zuständige Mainzer Erzbischof Dietrich ordnet, gestützt auf eine Bulle von Papst Nikolaus V., an, dass die Erfurter Juden gelbe Ringe auf ihrer Brust tragen müssen. Ihr Besitz wird enteignet, sie werden aus der Stadt vertrieben. Gerichtliche Maßnahmen der Juden gegen diese Willkürmaßnahme werden von Papst und Erzbischof vereitelt.

1521: Mit einem Aufstand protestieren die Erfurter Bürger dagegen, dass die Geistlichen und die Klöster nicht die gleichen Steuerlasten tragen wie sie, sondern von allen Abgaben befreit sind. Einen ähnlichen Aufstand hatte es bereits 1309 gegeben. Auch im Bauernkrieg (1525) wurden ähnliche Forderungen laut, die jedoch nach der Niederlage der Bauern und Bürger unerfüllt blieben – im Grunde bis heute!

1528: Zwölf Täufer, ehemalige Gefährten Thomas Müntzers, werden in Erfurt hingerichtet.

1530: Die „Weissagerin“ Dorothea wird in Erfurt verbrannt.

1550: Die „Zauberin“ Dorothe Zimmermann wird in Erfurt verbrannt.

15.2.1587: Die „zauberische“ Schicken von Dontorf wird in Erfurt verbrannt. Während des Verbrennens lösten sich nach Zeugenaussagen ihre Hände von den Fesseln, „dass sie das brennende Holz von sich stiess und sol lange Zeit beym Gerichte kläglich gewimmert haben.“
Für ganz Thüringen lassen sich zwischen 1526 und 1731 über 1500 Hexenprozesse nachwiesen, von denen etwa 75 Prozent mit dem Feuertod endeten.

1664: Der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn zwingt die Stadt Erfurt mit Waffengewalt, die bis dahin errungen Selbstbestimmungsrechte aufzugeben und sich ihm bedingungslos zu unterwerfen. Die Umgebung der Stadt ist durch erzbischöfliche Truppen verwüstet worden.

12.9.1933: Die lutherische Landeskirche Thüringens beschließt, dass nicht als Pfarrer berufen werden darf, wer „nichtarischer Abstimmung oder wer mit einer Person nichtarischer Abstammung verheiratet ist“. Im November 1933 steht im thüringischen „Monatsblatt für das evangelische Haus – Glaube und Heimat“ zu lesen: „Es ist das tröstendeste Erlebnis unserer Tage, dass unser Volk – wie dereinst bei Luther, so auch heute bei Adolf Hitler – in seiner ungeahnten Liebe zu seinem Führer und Glaubenshelden sich bekennt.“

23.11.1938: Kurz nach der Reichspogromnacht legt der thüringische Landesbischof Martin Sasse Luthers Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ neu auf und schreibt im Vorwort unter der Überschrift „weg mit ihnen!“: „Am 10. November 1038, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volke wird zur Sühne für die Ermordung des Gesandtschaftsrates vom Rath durch Judenhand die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiete im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt ... In dieser Stunde muß die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getreiben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden ...“

1.1.2003: Die Universität Erfurt übernimmt die bis dahin privat-kirchliche katholische Hochschule. Das finanzielle Opfer bringt - wieder einmal - der Steuerzahler.

Wir fordern daher: Ein Mahnmal für die Opfer der Kirche auch in Erfurt!

Zusammengestellt von : Initiative Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche“, Prymstr.1, 97070 Würzburg, www.KirchenOpfer.de