Hubertus Mynarek

Nietzsche (1844-1900) ist einer der einflussreichsten Philosophen der Moderne. Viele Denk- und Zeitströmungen des 20. Jahrhunderts hat er wesentlich beeinflusst, und er wirkt bis heute! Vor Jahren schon betonte der katholische Theologe Georg Siegmund in seiner polemischen Schrift gegen „Nietzsche, den ‚Atheisten‘ und ‚Antichristen‘“: „Der Mensch der Gegenwart steht in einer Entscheidung, die wesentlich durch Nietzsche mitheraufbeschworen ist.“

Die folgenden Ausführungen wollen kein Gesamtbild dieses interessanten und zugleich von seinen Gegnern fanatisch gehassten Denkers erstellen. Sie konzentrieren sich, wie bereits gesagt, einzig und allein auf seine 1888 erstellte Schrift „Der Antichrist“.

Schon der Titel der Schrift hat noch vor jeder Lektüre derselben vielen Vorurteilen über Nietzsche und massiven Verunglimpfungen seiner Person Vorschub geleistet. Legt er doch nahe, dass Nietzsche en bloc das ganze Christentum radikal attackiert. In Wirklichkeit nimmt dieser Denker Jesus ausdrücklich aus seiner Kritik heraus: „Im Grunde gab es nur Einen Christen, und der starb am Kreuz. Das ‚Evangelium‘ starb am Kreuz. Was von diesem Augenblick an ‚Evangelium‘ heißt, war bereits der Gegensatz dessen, was er gelebt: eine ‚schlimme Botschaft‘, ein Dysangelium. Es ist falsch bis zum Unsinn, wenn man in einem ‚Glauben‘ etwa im Glauben an die Erlösung durch Christus das Abzeichen des Christen sieht: bloß die christliche Praktik, ein Leben so wie der, der am Kreuze starb, es lebte, ist christlich.“

Zwar sei im Prinzip auch „heute noch ein solches Leben möglich ... das echte, das ursprüngliche Christentum wird zu allen Zeiten möglich sein.“ Aber es ist nach Nietzsche „nicht ein Glauben, sondern ein Tun, ein Vieles-nicht-Tun vor Allem, ein anderes Sein“. Denn „der ‚Glaube‘ war zu allen Zeiten, beispielsweise bei Luther, nur ein Mantel, ein Vorwand, ein Vorhang, hinter dem die Instinkte ihr Spiel spielten, - eine kluge Blindheit über die Herrschaft gewisser Instinkte“. Wer „das Christsein, die Christlichkeit auf ein Für-wahr-halten“ reduziert, der negiert die Christlichkeit!

Kaum war Jesus tot, so Nietzsche, da begann man bereits, seine Gestalt und seine Lehre entscheidend umzukrempeln: „Der psychologische Typus des Galiläers ist noch erkennbar, aber erst in seiner vollständigen Entartung (die zugleich Verstümmelung und Überladung mit fremden Zügen ist) hat er dazu dienen können, wozu er gebraucht worden ist ...“ Die Priester haben einen „stupiden Heilsmechanismus von Schuld gegen Javeh und Strafe, von Frömmigkeit gegen Javeh und Lohn gemacht“, und „die kirchliche Geschichts-Interpretation von Jahrtausenden, fast stumpf für die Forderungen der Rechtschaffenheit in historicis“ (d.h. in Bezug auf Geschichtsfakten), hat Nietzsche zufolge diesen Mechanismus übernommen, nur dass sie ihn jetzt - in der Ära des Neuen Testaments – weniger mit Jahwe als mit Christus in Verbindung bringt.

Die sogenannten christlichen Priester, die Jesus niemals gewollt habe, haben „den Gottesbegriff gefälscht, den Moralbegriff gefälscht ... haben jenes Wunderwerk von Fälschung zu Stande gebracht, als deren Dokument uns ein guter Teil der Bibel vorliegt“. Nietzsche nennt dieses Wunderwerk einen „schmachvollsten Akt der Geschichts-Fälschung“. Indem die Priester Leben und Werk Jesu zum Zweck ihrer Macht verfälschten, es zu einer „erbarmungswürdigen Lüge“ entstellten, erhoben sie sich selbst zu „einer parasitischen Art Mensch, die nur auf Kosten aller gesunden Bildungen des Lebens gedeiht."

Was tun die Priester? Sie „missbrauchen den Namen Gottes“, sie nennen „einen Zustand der Dinge, in dem der Priester den Wert der Dinge bestimmt, ‚das Reich Gottes‘“; sie nennen „die Mittel vermöge deren ein solcher Zustand erreicht oder aufrecht erhalten wird, ‚den Willen Gottes‘“; sie messen „mit einem kaltblütigen Zynismus die Völker, die Zeiten, die Einzelnen darnach ab, ob sie der Priester-Übermacht nützten oder widerstrebten“; sie haben „die Psychologie jedes großen Ereignisses auf die Idioten-Formel ‚Gehorsam oder Ungehorsam gegen Gott‘ vereinfacht.“ Sie sprechen vom „Willen Gottes“, meinen damit aber „die Erhaltungs-Bedingungen für die Macht des Priesters“. Was der Priester haben und erreichen will, das „formuliert“ er als den „Willen Gottes“.

Ein umfassendes Netzwerk von Geboten und Verboten der Kirche, die aber von den Priestern alle lediglich als Explikationen und Konkretisationen des Willens Gottes hingestellt werden, entstand auf diese Weise: „Von nun an sind alle Dinge des Lebens so geordnet, dass der Priester überall unentbehrlich ist; in allen natürlichen Vorkommnissen des Lebens, bei der Geburt, der Ehe, der Krankheit, dem Tode, gar nicht vom Opfer (‚der Mahlzeit‘) zu reden, erscheint der heilige Parasit, um sie zu entnatürlichen: in seiner Sprache zu ‚heiligen‘ ... Denn dies muss man begreifen: jede natürliche Sitte, jede natürliche Institution (Staat, Gerichtsordnung, Ehe, Kranken- und Armenpflege), jede vom Instinkt des Lebens eingegebene Forderung, kurz alles, was seinen Wert in sich hat, wird durch den Parasitismus des Priesters (oder der ‚sittlichen Weltordnung‘) grundsätzlich wertlos, wert-widrig gemacht: es bedarf nachträglich einer Sanktion - eine wertverleihende Macht tut not, welche die Natur darin verneint, welche eben damit erst einen Wert schafft ... Der Priester entwertet, entheiligt die Natur: um diesen Preis besteht er überhaupt.“

Nachdem es den Priestern gelungen ist, ihren Willen zu Reichtum und Macht als Willen Gottes auszugeben, können sie jetzt auch jeden Widerstand gegen das Treiben der Kirche und der Priester als »Sünde gegen Gott« brandmarken. „Der Ungehorsam gegen Gott, das heißt gegen den Priester, gegen das ‚Gesetz‘, bekommt nun den Namen ‚Sünde‘; die Mittel, sich wieder ‚mit Gott zu versöhnen‘, sind, wie billig, Mittel, mit denen die Unterwerfung unter den Priester nur noch gründlicher gewährleistet ist: der Priester allein ‚erlöst‘ ... Psychologisch nachgerechnet werden in jeder priesterlich organisierten Gesellschaft die ‚Sünden‘ unentbehrlich: sie sind die eigentlichen Handhaben der Macht, der Priester lebt von den Sünden, er hat noch nötig, dass ‚gesündigt‘ wird ... Oberster Satz: ‚Gott vergibt dem, der Buße tut‘ – auf deutsch: der sich dem Priester unterwirft.“

Zwar wenden die einfachen Mitglieder der Kirche auch heute noch bei Kritik an ihr immer wieder ein, die Kirche – das seien doch nicht nur die Priester, Bischöfe und der Papst, sondern alle Getauften, sie alle seien das heilige »Volk Gottes«. Aber dieses »Volk Gottes« ist eine von den Priestern entmündigte Herde blinder Schafe, die nur das für wahr halten dürfen, was die Kirchenoberen lehren, und alles andere als die »böse Welt« weit von sich weisen sollen. Sagen wir es mit den auch heute noch geltenden Worten Nietzsches: „Das ‚heilige Volk‘“ hat „für alle Dinge nur Priesterwerte, nur Priester-Worte übrig behalten“ und „mit einer Schluss-Folgerichtigkeit, die Furcht einflößen kann, alles was sonst noch an Macht auf Erden bestand, als ‚unheilig‘, als ‚Welt‘, als ‚Sünde‘ von sich abgetrennt“.

Eine schlimme aktuelle Bestätigung finden diese Worte Nietzsches in der heutigen Praxis der kirchlichen Sektenbeauftragten: Besonders fanatische Priester werden von den beiden Kirchen in Deutschland, der evangelischen und der katholischen, ausgesucht, ausgewählt, um den Kirchenmitgliedern, aber auch den Medien, den Unternehmern und den Politikern weiszumachen, dass alle religiösen Gemeinschaften außerhalb der Kirche etwas total Unheiliges, Sündhaftes, Irreführendes, wenn nicht gar Teuflisches und Satanisches seien, dass man das Heil nur in der Kirche erlangen könne. Und das Schlimmste: Die meisten Politiker, Journalisten, Manager, Gewerkschafter etc. fallen darauf herein, weil sie ja in ihrer Kindheit und Jugend auch auf das Schema »Gute Kirche – Böse Welt« hin getrimmt worden sind. Nur von diesen fehlgeleiteten, fehlindoktrinierten Kirchenchristen sagt Nietzsche: „Das Haustier, das Herdentier, das kranke Tier Mensch - der Christ".

Diese Fehlgeleiteten machen nach Nietzsche einen grundsätzlichen Fehler: sie wollen gar nicht die Wahrheit sehen. „Das Nicht-sehen-wollen, was man sieht, dies Nicht-so sehen-wollen, wie man es sieht, ist beinahe die erste Bedingung für Alle, die Partei sind, in irgendwelchem Sinne: der Parteimensch wird mit Notwendigkeit Lügner ... Darf man sich noch darüber wundern, wenn ... alle Parteien, auch die deutschen Historiker, die großen Worte der Moral im Munde haben - dass die Moral beinahe dadurch fortbesteht, dass der Parteimensch jeder Art jeden Augenblick sie nötig hat?“

Allen Nicht-Priestern, welcher Schicht oder welcher Berufsart sie auch angehören mögen, haben die Priester in vielen Jahrhunderten der „Erziehung“ und Indoktrinierung beigebracht, dass der Mensch, allein auf sich gestellt, weder wahr und unwahr, noch gut und böse erkennen und unterscheiden könne. Dazu bedürfe es der Offenbarung durch Gott, welche allein die Priester zu verkünden und auszulegen befugt seien. Mit Nietzsches Worten: „Der Mensch“, sagen die Priester, „kann von sich nicht selber wissen, was gut und böse ist, darum lehrte ihn Gott seinen Willen“. Aber Gott, so die Priester, lehre die Menschen nicht unmittelbar, er bediene sich der Priester. Diesen offenbare er seine Lehren, und sie lehren dann das Volk. Aber damit die Menschen auch glauben, dass die Priester ihnen die Offenbarung Gottes weitergeben, müssen erstere unerschütterlich an die untadelige Moral der Priester glauben. Der erste Grundsatz dieser Moral lautet nach Nietzsche: „Moral: der Priester lügt nicht – die Fragen ‚wahr‘ oder ‚unwahr‘ gibt es nicht in solchen Dingen, von denen Priester reden; diese Dinge erlauben gar nicht zu lügen. Denn um zu lügen, müsste man entscheiden können, was hier wahr ist. Aber das kann eben der Mensch nicht; der Priester ist damit nur das Mundstück Gottes“. Somit gehören „das Recht zur Lüge und die Klugheit der ‚Offenbarung‘“ wesensmäßig-konstitutiv „dem Typus Priester“ an. „Das ‚Gesetz‘, der ‚Wille Gottes‘ das ‚Heilige Buch‘ die ‚Inspiration‘- alles nur Worte für die Bedingungen, unter denen der Priester zur Macht kommt, mit denen er seine Macht aufrecht erhält, - diese Begriffe finden sich auf dem Grunde aller Priester-Organisationen, aller priesterlichen oder philosophisch-priesterlichen Herrschaftsgebilde“. Sie alle setzen „die ‚heilige Lüge‘“ auf den Thron. „‘Die Wahrheit ist da‘: dies bedeutet, wo nur es laut wird, der Priester lügt“.
„‘Offenbarung‘“, so Nietzsche weiter, „auf deutsch: eine große literarische Fälschung wird nötig, eine ‚heilige Schrift‘ wird entdeckt – unter allem hieratischen Pomp, mit Bußtagen und Jammergeschrei über die lange ‚Sünde‘ wird sie öffentlich gemacht ... das ganze Unheil liegt darin, dass man sich der ‚heiligen Schrift‘ entfremdet hat“. Jetzt, da das Faktum der Offenbarung von den Priestern fest installiert ist, kann man alles und jedes als Offenbarung Gottes, als von ihm, dem Höchsten, befohlen, ausgeben, selbst „die großen und kleinen Steuern“, die man vermeintlich Gott, sprich: den Priestern zu zahlen hat; früher, als die Leute kein oder kaum Geld hatten, auch die Abgaben in Naturalien: „die schmackhaftesten Stücke vom Fleisch nicht zu vergessen: denn der Priester ist ein Beefsteak-Fresser.“ Kein Wunder, so könnte man Nietzsche an dieser Stelle ergänzen, dass die Amtskirche in allen Jahrhunderten ihres Bestehens den Tieren die Seele absprach. Denn auf diese Weise konnten die Priester mit um so ruhigerem Gewissen deren Fleisch vertilgen, sie zur Jagd freigeben, sie in Tierversuchen quälen lassen!

Nietzsche stellt zwischen dem, was Jesus war, lebte, lehrte, und der »Offenbarung«, wie sie die Kirche, ihre Theologen und Priester vertreten, den radikalsten, krassesten Gegensatz fest. Natürlich ist es eine berechtigte Frage, ob man exegetisch-legitim so verfahren kann, wie dies Nietzsche in dem Fall tut. Er ordnet nämlich alles Sanfte, Gütige, Versöhnliche, Erbarmende, Liebende Jesus zu, alles Gehässige, Feindselige, Rachsüchtige lastet er den Jesu Leben und Lehre verfälschenden Theologen an. Es klaffe ja „ein Widerspruch zwischen dem Berg-, See- und Wiesenprediger, dessen Erscheinung wie ein Buddha auf einem sehr wenig indischen Boden anmutet, und jenem Fanatiker des Angriffs“, zu dem ihn erst die Kirchentheologen gemacht hätten. „Ich selber“, so Nietzsche, „zweifle nicht daran, dass das reichliche Maß Galle ... erst aus dem erregten Zustand der christlichen Propaganda auf den Typus des Meisters übergeflossen ist“. Man kenne ja „die Unbedenklichkeit“ aller Priester, „aus ihrem Meister sich ihre Apologie zurecht zu machen. Als die erste Gemeinde einen richtenden, hadernden, zürnenden, bösartig spitzfindigen Theologen nötig hatte, ... schuf sie sich ihren ‚Gott‘ nach ihren Bedürfnissen.“

Schon „die ersten Jünger ... übersetzten ein ganz in Symbolen und Unfasslichkeiten schwimmendes Sein“, nämlich das des Jesus von Nazareth, „erst in die eigene Crudität, um überhaupt etwas davon zu verstehen – für sie war der Typus (Jesus) erst nach einer Einformung in bekanntere Formen vorhanden ... Der Prophet, der Messias, der zukünftige Richter, der Morallehrer, der Wundermann ... ebensoviele Gelegenheiten, den Typus zu verkennen.“ Die Jünger „löschten“ also „die originalen, oft peinlich-fremden Züge ... an dem verehrten Wesen aus.“ Das Schicksal der ersten christlichen Gemeinde, die sich ja gerade vom Mutterboden der jüdischen Religion abspaltete, deshalb in erbittertem Kampf mit Pharisäern, Sadduzäern, Hohenpriestern etc. stand, war entscheidend: Aus diesem Schicksal „wurde, rückwirkend, der Typus (Jesus) mit Zügen bereichert, die erst aus dem Kriege und zu Zwecken der Propaganda verständlich werden. Jene seltsame und kranke Welt, in die uns die Evangelien einführen – eine Welt, wie aus einem russischen Romane, in der sich Auswurf der Gesellschaft, Nervenleiden und ‚kindliches‘ Idiotentum ein Stelldichein zu geben scheinen“ – das alles „muss unter allen Umständen den Typus vergröbert haben.“

Wie sieht Nietzsche den ursprünglichen, originalen Typus Jesus? Ähnlich wie Leo Tolstoi sieht er „das tiefste Wort der Evangelien, ihren Schlüssel in gewissem Sinne“ in dem Ruf Jesu: „Widerstehe nicht dem Bösen!“ Jesus lebt und lehrt „die Seligkeit im Frieden, in der Sanftmut, im Nicht-feind-sein-können“. Nietzsche fragt: Was heißt »frohe Botschaft«? Er lässt Jesus antworten: „Das wahre Leben, das ewige Leben ist gefunden – es wird nicht verheißen, es ist da, es ist in euch: als Leben in der Liebe, in der Liebe ohne Abzug und Ausschluss, ohne Distanz. Jeder ist das Kind Gottes – Jesus nimmt durchaus nichts für sich allein in Anspruch -, als Kind Gottes ist Jeder mit Jedem gleich“. Das wahre Leben, das keine Trennung von Jenseits und Diesseits kenne, ist „das Zuhause-sein in einer ... bloß noch ‚inneren‘ Welt, einer ‚wahren‘ Welt, einer ‚ewigen‘ Welt ... ‚Das Reich Gottes ist in euch‘.“

Dementsprechend hat Jesus nach Nietzsche logischerweise einen „Widerwillen gegen jede Formel, jeden Zeit- und Raumbegriff, gegen Alles, was fest, Sitte, Institution, Kirche ist ... das Wort tötet, alles was fest ist, tötet. Der Begriff, die Erfahrung ‚Leben‘, wie er sie allein kennt, widerstrebt bei ihm jeder Art Wort, Formel, Gesetz, Glaube, Dogma. Er redet bloß vom Innersten: ‚Leben‘ oder ‚Wahrheit‘ oder ‚Licht‘ ist sein Wort für das Innerste – alles Übrige, die ganze Realität, die ganze Natur, die Sprache selbst, hat für ihn bloß den Wert eines Zeichens, eines Gleichnisses.“ Es fehlt bei Jesus völlig „die Vorstellung dafür, dass ein Glaube, eine ‚Wahrheit‘ durch Gründe bewiesen werden könnte ... seine Beweise sind innere ‚Lichter‘, innere Lustgefühle und Selbstbejahungen, lauter ‚Beweise der Kraft‘.“ Daher hatte Jesus – so Nietzsche – „keine Formeln, keinen Ritus für den Verkehr mit Gott mehr nötig ... Er hat mit der ganzen jüdischen Buß- und Versöhnungs-Lehre abgerechnet; er weiß, wie es allein die Praktik des Lebens ist, mit der man sich ‚göttlich‘, ‚selig‘, ‚evangelisch‘, jeder Zeit ein ‚Kind Gottes‘ fühlt. Nicht ‚Buße‘, nicht ‚Gebet um Vergebung‘ sind Wege zu Gott: die evangelische Praktik allein führt zu Gott, sie eben ist ‚Gott‘.“

In der ganzen Psychologie Jesu, wie Nietzsche ihn sieht, „fehlt der Begriff Schuld und Strafe; insgleichen der Begriff Lohn. Die ‚Sünde‘, jedwedes Distanz-Verhältnis zwischen Gott und Mensch ist abgeschafft – eben das ist die ‚frohe Botschaft‘. Die Seligkeit wird nicht verheißen, sie wird nicht an Bedingungen geknüpft: sie ist die einzige Realität – der Rest ist Zeichen, um von ihr zu reden.“

Die Begriffe, die für jede Kirche, die jüdische wie die christlichen, so wichtig sind – „die Begriffe ‚Sünde‘, ‚Vergebung der Sünde‘, ‚Glaube‘, ‚Erlösung durch den Glauben‘“ -, sind „in der ‚frohen Botschaft‘ verneint.“ Deshalb: „Nicht ein ‚Glaube‘ unterscheidet den Christen: der Christ handelt, er unterscheidet sich durch ein anderes Handeln“, nämlich „dass er sich gegen Niemanden erzürnt, Niemanden geringschätzt. Dass er sich bei Gerichtshöfen weder sehen lässt, noch in Anspruch nehmen lässt.“ Zusammengefasst: „Der tiefe Instinkt dafür, wie man leben müsse, um sich ‚im Himmel‘ zu fühlen, um sich ‚ewig‘ zu fühlen, während man sich bei jedem anderen Verhalten durchaus nicht ‚im Himmel‘ fühlt: dies allein ist die psychologische Realität der ‚Erlösung‘. – Ein neuer Wandel, nicht ein neuer Glaube ...“

Was aber hat die Kirche daraus gemacht? Sie hatte „barbarische Begriffe und Werte nötig, um über Barbaren Herr zu werden: solche sind das Erstlingsopfer, das Bluttrinken im Abendmahl, die Verachtung des Geistes und der Kultur; die Folterung in allen Formen ... der große Pomp des Kultus.“ Die Kirche „will über Raubtiere Herr werden.“ Das „Mittel“ dazu „ist, sie krank zu machen ... die Schwächung ist das ... Rezept zur Zähmung.“

Das verdorbene, d.h. verkirchlichte Christentum „hat die Krankheit nötig ... Krankmachen ist die eigentliche Hinterabsicht des ganzen Heilsprozeduren-Systems der Kirche. Und die Kirche selbst – ist sie nicht das katholische Irrenhaus als letztes Ideal?“ Freilich: Der „Priester ... leugnet aus Instinkt, dass Krankheit Krankheit, dass Irrenhaus Irrenhaus ist.“ Der glaubt selber nicht daran, dass der Glaube Berge versetzt, „aber er setzt Berge hin, wo es keine gibt.“ Die Folge sind die vielen Gläubigen mit ekklesiogenen (d.h. durch die Kirche verursachten) Neurosen. „Ein flüchtiger Gang durch ein Irrenhaus klärt zur Genüge darüber auf.“ Kirche und Priester wollen „die Erde überhaupt als Irrenhaus ... Der religiöse Mensch, wie ihn die Kirche will, ist ein typischer décadent ... die Kirche hat nur Verrückte oder große Betrüger in maiorem dei honorem (zur größeren Ehre Gottes) heilig gesprochen.“ Man wird, so Nietzsche, zum Christentum, wie es die Kirche versteht und darstellt, „nicht ‚bekehrt‘ – man muss krank genug dazu sein.“ Der Priester „hat ein Lebensinteresse daran, die Menschheit krank zu machen und die Begriffe ‚gut‘ und ‚böse‘, ‚wahr‘ und ‚falsch‘ in einen lebensgefährlichen und weltverleumderischen Sinn umzudrehen.“

Das „ganze christliche Buß- und Erlösungstraining“ ist nach Nietzsche „gegen die Gesunden, gegen die Gesundheit gerichtet“. Nur „alles, was leidet, alles was am Kreuze hängt, ist göttlich“. Die Kirche „lehrte den Leib missverstehen“, machte „aus der unzureichenden Ernährung ein ‚Verdienst‘“, bekämpfte „in der Gesundheit eine Art Feind, Teufel, Versuchung“, redete den Menschen ein, „man könne eine ‚vollkommene Seele‘ in einem Kadaver von Leib herumtragen“, erkor zum erstrebenswerten Ideal, Vor- und Leitbild „ein bleiches, krankhaftes, idiotisch-schwärmerisches Wesen, die sogenannte ‚Heiligkeit‘“. Der Leib wurde „verachtet, die Hygiene als Sinnlichkeit abgelehnt; die Kirche wehrte sich selbst gegen die Reinlichkeit (die erste christliche Maßregel nach Vertreibung der Mauren war die Schließung der öffentlichen Bäder, von denen Cordova allein 270 besaß). Christlich im Sinne der Kirche ist ein gewisser Sinn der Grausamkeit, gegen sich und Andere; der Hass gegen die Andersdenkenden; der Wille zu verfolgen ... die Diät wird so gewählt, dass sie morbide Erscheinungen begünstigt und die Nerven überreizt ... Christlich ist der Hass gegen den Geist, gegen Stolz, Mut, Freiheit ... christlich ist der Hass gegen die Sinne.“ Die Kirche hat „die Casuistik der Sünde“, d.h. das Herumstochern in den Sünden, das Herausfinden und Konstruieren tausender Nuancen einer jeden Sünde den Theologen und Priestern zur Pflicht gemacht, hat „die Gewissens-Inquisition geübt.“

Deswegen sind „die Theologen und alles, was Theologen-Blut im Leibe hat“, der schärfste „Gegensatz“ zum Leben, zur Gesundheit, zur Wahrheit. „So lange der Priester noch als eine höhere Art Mensch gilt, dieser Verneiner, Verleumder, Vergifter des Lebens von Beruf, gibt es keine Antwort auf die Frage: was ist Wahrheit? Man hat bereits die Wahrheit auf den Kopf gestellt, wenn der bewusste Advokat des Nichts und der Verneinung als Vertreter der ‚Wahrheit‘ gilt ... Wer Theologen-Blut im Leibe hat, steht von vornherein zu allen Dingen schief und unehrlich. Das Pathos, das sich daraus entwickelt, heißt sich Glaube: das Auge ein für alle Mal vor sich schließen, um nicht am Aspekt unheilbarer Falschheit zu leiden. Man macht bei sich eine Moral, eine Tugend, eine Heiligkeit aus dieser fehlerhaften Optik zu allen Dingen, man knüpft das gute Gewissen an das Falschsehen – man fordert, dass keine andere Optik mehr Wert haben dürfe, nachdem man die eigene mit dem Namen ‚Gott‘, ‚Erlösung‘, ‚Ewigkeit‘ sakrosankt gemacht hat.“
Nach Nietzsche ist die Theologen-Mentalität „die verbreiteste, die eigentlich unterirdische Form der Falschheit, die es auf Erden gibt. Was ein Theologe als wahr empfindet, das muss falsch sein: man hat daran beinahe ein Kriterium der Wahrheit. Es ist sein unterster Selbsterhaltungs-Instinkt, der verbietet, dass die Realität in irgend einem Punkte zu Ehren oder auch nur zu Worte käme. So weit der Theologen-Einfluss reicht, ist das Wert-Urteil auf den Kopf gestellt, sind die Begriffe ‚wahr“ und ‚falsch‘ notwendig umgekehrt: was dem Leben am schädlichsten ist, das heißt hier ‚wahr‘, was es hebt, steigert, bejaht, rechtfertigt und triumphieren macht, das heißt ‚falsch‘ ... Kommt es vor, dass Theologen durch das ‚Gewissen‘ der Fürsten (oder der Völker) hindurch nach der Macht die Hand ausstrecken, zweifeln wir nicht, was jedes Mal im Grunde sich begibt: der Wille zum Ende, der nihilistische Wille will zur Macht ...“

Dabei macht Nietzsche keinen Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Theologen. Zu den letzteren betont er: „Definition des Protestantismus: die halbseitige Lähmung des Christentums – und der Vernunft.“ Auch die deutsche Philosophie bekommt bei Nietzsche ihr Speck ab: „Der protestantische Pfarrer ist Großvater der deutschen Philosophie, der Protestantismus selbst ihr peccatum originale“, d.h. ihre Ur- und Erbsünde. Die deutsche Philosophie sei eine „hinterlistige Theologie“. Die deutsche Gelehrtenwelt bestehe „zu drei Viertel aus Pfarrer- und Lehrer-Söhnen.“

„Falschmünzer“, „Truthähne Gottes“ nennt Nietzsche alle Theologen und jene Philosophen und Denker, die eine verkappte Theologie lehren. „Affen der Gottheit“ nannte sie ähnlicherweise Friedrich Schiller. Die Falschmünzerei der Theologen bezieht Nietzsche u.a. besonders auf ihre Art, wie sie einige Leute zu Heiligen erklären. „Wie kann man“, fragt er, „Heiligen-Legenden überhaupt ‚Überlieferung‘ nennen! Die Geschichten von Heiligen sind die zweideutigste Literatur, die es überhaupt gibt: auf sie die wissenschaftliche Methode anwenden, wenn sonst keine Urkunden vorliegen, scheint mir von vornherein verurteilt – bloß gelehrter Müßiggang ...“

Denkt man an die Tausende von Selig- und Heiligsprechungen, die Papst Johannes Paul II. während seines Pontifikats im Eiltempo durchzog, obwohl selbst manche Katholiken Zweifel an der persönlichen Integrität der zur Ehre der Altäre Erhobenen äußerten, dann weiß man, was man von der »Heiligen-Produktion« des Vatikans zu halten hat und wie aktuell Nietzsches diesbezügliche Kritik ist. Unnötig fast, hinzuzufügen, dass diese Produktion stets mit beträchtlichen Einnahmen für den „Heiligen Stuhl“ einhergeht. Welche innerkirchliche Initiative auch immer einen Antrag auf Selig- oder Heiligsprechung eines von ihr Favorisierten stellt, sie braucht gar nicht erst anzufangen, wenn ihr Startkapital nicht 300.000,00 EUR beträgt! Unter diesem Kosten-Niveau macht es der Vatikan ganz gewiss nicht. Stimmen allerdings die Geldeingänge, werden Wunder ganz von allein nachgeliefert. Es muss ja an sich stets mindestens ein Wunder passiert sein, wenn ein Katholik selig- oder heiliggesprochen werden soll. Aber da genügt es schon, wenn nur die Kasse stimmt, dass eine Nonne erklärt, sie sei von einem schweren Leiden spontan geheilt worden, weil sie z.B. zum letzten Habsburger, dem »Giftgas-Kaiser« Karl innigst gebetet habe. Der wurde dann also auch seliggesprochen.

Aber die, die „aus dem Gegensatz zum Evangelium die Kirche aufgebaut“ haben, die haben auch die „heilige Lüge“ auf den Thron gesetzt, und zu dieser gehört eben auch die Lüge der Selig- und Heiligsprechung unvollkommener, nicht selten sogar höchst umstrittener, psychisch kranker und krimineller Personen. Als Escriva de Balaguer, der Gründer der Geheimorganisation »Opus Dei«, seliggesprochen werden sollte, protestierten sogar solche, die 10, 20 oder mehr Jahre dieser Organisation angehört hatten, weil sie die brutale Strenge und Bestrafungsmethode, den unbeherrschten Jähzorn und andere gravierende Charakterdefizite dieses Mannes mit eigenen Augen mitangesehen, teilweise auf der eigenen Haut schmerzlich erfahren hatten. Es nützte nichts, der Wojtyla-Papst sprach ihn selig. Hatte doch »Opus Dei« immer wieder dem Vatikan beträchtliche Summen zugesteckt. Eine Hand wäscht die andere!

Deswegen kann sich Nietzsche nicht genug darüber wundern, „dass die Menschheit vor dem Gegensatz dessen auf den Knien liegt, was der Ursprung, der Sinn, das Recht des Evangeliums war, dass sie in dem Begriff ‚Kirche‘ gerade das heilig gesprochen hat, was der ‚frohe Botschafter‘ als unter sich, als hinter sich empfand – man sucht vergebens nach einer größeren Form welthistorischer Ironie.“

Intelligente Menschen, so Nietzsche, „halten es nicht mehr aus, wenn ein Priester das Wort ‚Wahrheit‘ auch nur in den Mund nimmt. Selbst bei dem bescheidensten Anspruch auf Rechtschaffenheit muss man heute wissen, dass ein Theologe, ein Priester, ein Papst mit jedem Satz, den er spricht, nicht nur irrt, sondern lügt ... Alle Begriffe der Kirche sind erkannt als das, was sie sind, als die bösartigste Falschmünzerei, die es gibt, zum Zweck, die Natur, die Natur-Werte zu entwerten; der Priester selbst ist erkannt als das, was er ist, als die gefährlichste Art Parasit, als die eigentliche Giftspinne des Lebens.“

Nietzsche wundert sich zutiefst: Denn „jedermann weiß das“, weiß um diese Dinge, „und trotzdem bleibt alles beim Alten. Wohin kam das letzte Gefühl von Anstand, von Achtung vor sich selbst, wenn unsere Staatsmänner sogar, ... Antichristen der Tat durch und durch, sich heute noch Christen nennen und zum Abendmahl gehen ... ohne jede Scham sich als Christen bekennen? ... Was für eine Missgeburt von Falschheit muss der moderne Mensch sein, dass er sich trotzdem nicht schämt, Christ noch zu heißen!" Wohlgemerkt: Wenn Nietzsche an diesen Stellen von Christen spricht, meint er eindeutig dem Kontext nach die Kirchenchristen!

Besonders scharf greift Nietzsche jene Unwahrheit der Päpste, Theologen und Priester an, die sich auf den Tod Jesu bezieht. Erst die frühe Kirche habe aus diesem Tod ein Schuldopfer gemacht. „... die gestörte Vernunft der kleinen Gemeinschaft“ der Frühkirche fand auf die Frage, warum dieser Jesus sterben musste, „eine geradezu schrecklich absurde Antwort: Gott gab seinen Sohn zur Vergebung der Sünden, als Opfer. Wie war es mit einem Male zu Ende mit dem Evangelium! Das Schuldopfer, und zwar in seiner widerlichsten, barbarischsten Form, das Opfer des Unschuldigen für die Sünden der Schuldigen! Welches schauderhafte Heidentum! – Jesus hatte ja den Begriff ‚Schuld‘ selbst abgeschafft – er hatte jede Kluft zwischen Gott und Mensch geleugnet, er lebte diese Einheit von Gott und Mensch als seine ‚frohe Botschaft‘. Und nicht als Vorrecht!“

Als Urtyp des Priesters als Falschmünzer der Wahrheit sieht Nietzsche den Apostel Paulus: „Der ‚frohen Botschaft‘ folgte auf den Fuß die allerschlimmste: die des Paulus. In Paulus verkörpert sich der Gegensatz-Typus zum ‚frohen Botschafter‘, das Genie im Hass, in der Vision des Hasses, in der unerbittlichen Logik des Hasses. Was hat dieser Dysangelist alles dem Hasse zum Opfer gebracht! Vor allem den Erlöser: er schlug ihn an sein Kreuz. Das Leben, das Beispiel, die Lehre, der Tod, der Sinn und das Recht des ganzen Evangeliums – nichts war mehr vorhanden, als dieser Falschmünzer aus Hass begriff, was allein er brauchen konnte. Nicht die Realität, nicht die historische Wahrheit!“

Mit untrüglichem „Priester-Instinkt“ habe Paulus auch die Geschichte des frühen Christentums gefälscht. Sein „großes Verbrechen an der Historie“: er „strich das Gestern, das Vorgestern des Christentums einfach durch, er erfand sich eine Geschichte des ersten Christentums. Mehr noch: er fälschte die Geschichte Israels nochmals um, um als Vorgeschichte für seine Tat zu erscheinen: alle Propheten haben von seinem ‚Erlöser‘ geredet ... Die Kirche fälschte später sogar die Geschichte der Menschheit zur Vorgeschichte des Christentums.“ Die suggestiv-faszinierende Persönlichkeit des Paulus, listig und missionarisch-erobernd wie die Johannes Pauls II., vermochte viele Menschen irrezuführen. „Was er selbst nicht glaubte, die Idioten, unter die er seine Lehre warf, glaubten es. – Sein Bedürfnis war die Macht; mit Paulus wollte nochmals der Priester zur Macht - er konnte nur Begriffe, Lehren, Symbole brauchen, mit denen man Massen tyrannisiert, Herden bildet.“ „Was allein“, fragt Nietzsche, „entlehnte später Muhamed (Mohammed) dem Christentum? Die Erfindung des Paulus, sein Mittel zur Priester-Tyrannei, zur Herden-Bildung ... die Lehre vom ‚Gericht‘“.

Und diese Angstmacherei mit der Drohung des Gottesgerichts ist Bestandteil sowohl des Islam wie des Kirchenchristentums: „Man muss sich nicht irreführen lassen: ‚richtet nicht!‘ sagen sie, aber sie schicken Alles in die Hölle, was ihnen im Wege steht. Indem sie Gott richten lassen, richten sie selber; indem sie Gott verherrlichen, verherrlichen sie sich selber; indem sie die Tugenden
fordern, ... geben sie sich den großen Anschein eines Ringens um die Tugend, eines Kampfes um die Herrschaft der Tugend. „Wir leben, wir sterben, wir opfern uns für das Gute (‚die Wahrheit‘, ‚das Licht‘, das ‚Reich Gottes‘): in Wahrheit tun sie, was sie nicht lassen können ... Ah diese demütige, keusche, barmherzige Art von Verlogenheit!“, wie sie auch der neue Papst Benedikt XVI., alias Josef Ratzinger, in seiner Rede nach der Papstwahl an den Tag legte! „Die Realität ist, dass hier der bewussteste Auserwählten-Dünkel die Bescheidenheit spielt: man hat sich, die ‚Gemeinde‘, die ‚Guten und Gerechten‘ ein für alle Mal auf die eine Seite gestellt, auf die ‚der Wahrheit‘ – und den Rest, ‚die Welt‘ auf die andere ... Das war die verhängisvollste Art Größenwahn, die bisher auf Erden dagewesen ist: kleine Missgeburten von Muckern und Lügnern fingen an, die Begriffe ‚Gott‘, ‚Wahrheit‘, ‚Licht‘, ‚Geist‘, ‚Liebe‘, ‚Weisheit‘, ‚Leben‘ für sich in Anspruch zu nehmen, gleichsam als Synonyma von sich, um damit die ‚Welt‘ gegen sich abzugrenzen.“ Sie „drehten die Werte überhaupt nach sich um, wie als ob erst der Christ der Sinn, das Salz, das Maß, auch das letzte Gericht vom ganzen Rest wäre.“

Kirchenchristentum – das ist nach Nietzsche „die hier geradezu Genie werdende Selbstverstellung in’s ‚Heilige‘, unter Büchern und Menschen nie annähernd sonst erreicht, diese Wort- und Gebärdenfalschmünzerei als Kunst“, die „Kunst heilig zu lügen“, die hier, in der Kirche und von den Priestern, zur „Technik ... letzter Meisterschaft“ vorangetrieben ist. Der Kirchenchrist – „diese ultima ratio der Lüge“. Diese Lüge war so raffiniert, war ein solches „Raffinement par excellence“, dass „die ganze Menschheit, die besten Köpfe der besten Zeiten sogar ... sich haben täuschen lassen.“

Trotzdem wundert sich Nietzsche, dass die Menschheit auf diese Täuschung hereinfiel, denn „bekämen wir sie zu sehen, auch nur im Vorübergehen, alle diese wunderlichen Mucker und Kunst-Heiligen“ in der Geschichte der Kirche, „so wäre es am Ende“. Für sich selbst betont Nietzsche: „ich mache mit ihnen ein Ende ... Ich halte eine gewisse Art, die Augen aufzuschlagen, an ihnen nicht aus.“

Kirche, kirchliches Christentum muss deshalb – das folgt aus dem Gesagten – notwendigerweise wissenschaftsfeindlich sein. „Eine Religion ... die sich an keinem Punkte mit der Wirklichkeit berührt, die sofort dahinfällt, sobald die Wirklichkeit auch nur an Einem Punkte zum Recht kommt, muss billiger Weise ... der Wissenschaft todfeind sein – sie wird alle Mittel gut heißen, mit denen die Zucht des Geistes, die Lauterkeit und Strenge in Gewissenssachen des Geistes, die vornehme Kühle und Freiheit des Geistes vergiftet, verleumdet, verrufen gemacht werden kann. Der ‚Glaube‘ als Imperativ ist das Veto gegen die Wissenschaft – in praxi die Lüge um jeden Preis.“

Giordano Bruno, Galilei usw. – all die Märtyrer der Wahrheit und Wissenschaft in ihrem Bekenntnis gegen diese Institution sind also keine zufälligen Betriebsunfälle innerhalb einer sonst tadellosen Kirche, sondern der notwendige Ausdruck eines elementaren Hasses der letzteren gegen alles Große und Wahrhaftige, gegen alle Wirklichkeitserkenntnis.

In den Augen der Kirche ist „die Wissenschaft die erste Sünde, der Keim aller Sünde, die Erbsünde.“ Das erste Gebot der kirchlichen Moral lautet in Wirklichkeit (trotz der verbalen Beschwörung der zehn Gebote): „Du sollst nicht erkennen ... Der Mensch soll nicht denken ... alle Gedanken sind schlechte Gedanken ... Der Priester kennt nur Eine große Gefahr: das ist die Wissenschaft – der gesunde Begriff von Ursache und Wirkung ... Der Mensch ... soll nicht klug und vorsichtig, als Lernender, in die Dinge sehen, er soll überhaupt gar nicht sehen: er soll leiden ... Und er soll so leiden, dass er jeder Zeit den Priester nötig hat.“ Die Kirche sieht ihre wichtigste Aufgabe darin, „den Ursachen-Sinn des Menschen zu zerstören“, sie ist „das Attentat gegen den Begriff Ursache und Wirkung! ... Ein Priester-Attentat! Ein Parasiten-Attentat! Ein Vampyrismus bleicher unterirdischer Blutsauger!“ Denn „wenn die natürlichen Folgen einer Tat nicht mehr ‚natürlich‘ sind, sondern durch Begriffs-Gespenster des Aberglaubens, durch ‚Gott‘, durch ‚Geister‘, durch ‚Seelen‘ bewirkt gedacht werden ... als Lohn, Strafe, Wink, Erziehungsmittel, so ist die Voraussetzung zur Erkenntnis zerstört – so hat man das größte Verbrechen an der Menschheit begangen ... der Priester herrscht durch die Erfindung der Sünde.“ Die Kirche „kann nur die kranke Vernunft als christliche Vernunft brauchen“, sie „nimmt die Partei alles Idiotischen“ (die Millionen, die in inhaltsloser Bewegtheit zum Papst pilgern, ohne seine Lehre und auch sein wirkliches Leben zu kennen, beweisen das!).

Bei den Priestern, den Feinden der Wissenschaft, stellt Nietzsche „den vollkommenen Mangel an psychologischer Reinlichkeit“ fest, „im Blick sich verratend“, in der „Unfähigkeit zu geraden Blicken und Schritten“ – „Ausdruck von décadence“. Man betrachte mal – von Nietzsche auf die Spur gebracht – Mönche und Nonnen. Sie schauen einen – natürlich aus andressierter Demut – so gut wie nie direkt und offenen Auges an, sie halten ihren Blick gesenkt, auf den Boden gerichtet. „Pulvis es et in pulverem reverteris!“ (Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück!). Man hat den Nonnen und Mönchen diesen Spruch tausendmal eingetrichtert, nicht bloß am Aschermittwoch, an dem man ihn auch dem kirchlichen Fußvolk buchstäblich mit Asche an die Stirn drückt. Ich habe auch bei Prof. Ratzinger, dem späteren Benedikt XVI., nie einen geraden, direkten, offenen Blick erlebt. Immer schaute er, ein wenig misstrauisch, links oder rechts an einem vorbei.

Nietzsche sieht den schiefen Blick der Priester auch in der Philologie. Er versteht in diesem Zusammenhang Philologie als die Kunst, richtig zu lesen. So gesehen, ist ein „Abzeichen des Theologen sein Unvermögen zur Philologie“. Er kann nach Nietzsche nicht „Tatsachen ablesen, ohne sie durch Interpretation zu fälschen ... Die Art, wie ein Theologe, gleichgültig ob in Berlin oder in Rom, ein ‚Schriftwort‘ auslegt oder ein Erlebnis ..., ist immer dergestalt kühn, dass ein Philolog dabei an allen Wänden emporläuft.“

Der Theologe knüpft jegliche Interpretation der Worte der Schrift, also der Bibel, an zwei Bedingungen, durch die jede Interpretation sofort in Schieflage kommt, sofort ihre Wirklichkeitsnähe verliert: an die Offenbarung und die Tradition. Er stellt jeglicher Interpretation, die den festen Willen hat, am Ball zu bleiben, also einen Text, ein Ereignis genau in deren Sinn zu verstehen, eine „doppelte Mauer“ entgegen: „einmal die Offenbarung“, also die Behauptung, die Vernunft von Geboten, Gesetzen, moralischen Normen sei „nicht menschlicher Herkunft ... sondern göttlichen Ursprungs, ganz, vollkommen, ohne Geschichte, ein Geschenk, ein Wunder, bloß mitgeteilt.“ Sodann die Tradition, also „die Behauptung, dass das Gesetz bereits seit uralten Zeiten bestanden habe, dass es pietätlos, ein Verbrechen an den Vorfahren sei, es in Zweifel zu ziehen. Die Autorität des Gesetzes begründet sich mit den Thesen: Gott gab es, die Vorfahren lebten es“. Dieser Mechanismus der „doppelten Mauer“ wird ganz analog den Gläubigen der Kirche wie des Islam unaufhörlich eingetrichtert, bis der vollkommene Automatismus des Instinkts erreicht wird, diese „Voraussetzung zu jeder Art Meisterschaft“ in der Glaubenswilligkeit und –ergebenheit.“

Auf diese Weise hat man den Gläubigen mit seinem „Bedürfnis der Schwäche“ herangezüchtet: „Der Mensch des Glaubens, der ‚Gläubige‘ jeder Art ist notwendig ein abhängiger Mensch – ein Solcher, der sich nicht als Zweck, der von sich aus überhaupt nicht Zwecke ansetzen kann. Der ‚Gläubige‘ gehört sich nicht, er kann nur Mittel sein, er muss verbraucht werden, er hat jemand nötig, der ihn verbraucht. Sein Instinkt gibt einer Moral der Entselbstung die höchste Ehre ... Jede Art Glaube ist selbst ein Ausdruck von Entselbstung, von Selbst-Entfremdung ... Erwägt man, wie notwendig den Allermeisten ein Regulativ ist, das sie von außen her bindet und fest macht, wie der Zwang, in einem höheren Sinn der Sklaverei, die einzige und letzte Bedingung ist, unter der der willensschwächere Mensch ... gedeiht, so versteht man auch ... den ‚Glauben‘“.

Der Gläubige, so Nietzsche, sieht viele Dinge gar nicht, ist „in keinem Punkte unbefangen“, ist „Partei durch und durch“, hat nur einen einzigen Gesichtspunkt, unter dem er Wirklichkeit und Werte anschaut. Damit aber ist er „der Gegensatz, der Antagonist des Wahrhaftigen, der Wahrheit“. Dem Gläubigen steht es nach Nietzsche gar „nicht frei, für die Frage ‚wahr‘ und ‚unwahr‘ überhaupt ein Gewissen zu haben: rechtschaffen sein an dieser Stelle wäre sofort sein Untergang.“ Die total einseitige, „pathologische Bedingtheit seiner Optik“ in der Betrachtung aller Dinge macht aus dem Gläubigen „den Fanatiker ... den Gegensatz-Typus des starken, des freigewordenen Geistes“. Nietzsche nennt als solche Fanatiker u.a. Luther, Robespierre, Saint-Simon. „... die große Attitüde dieser kranken Geister, dieser Epileptiker des Begriffs, wirkt auf die große Masse – die Fanatiker sind pittoresk, die Menschheit sieht Gebärden lieber, als dass sie Gründe hört ...“ Wer wollte das angesichts der gestenreichen Päpste, des Wojtyla- wie des Ratzinger-Papstes, bezweifeln?!

Gerade der jetzige Papst hat sich, als er noch der Theologieprofessor Josef Ratzinger war, oft auf den hl. Augustinus berufen, seine eigene Theologie von diesem Gottesdenker an der Schwelle von der Antike zum Mittelalter abgeleitet. Immer noch gelten ja in der katholischen Kirche Augustinus und Thomas von Aquin als die größten Theologen. Über Augustinus aber sagt Nietzsche: „Man lese nur irgend einen christlichen Agitator, den hl. Augustin zum Beispiel, um zu begreifen, um zu riechen, was für unsaubere Gesellen damit obenaufgekommen sind.“ Im Blick auf die Kirchenväter, nicht bloß die speziellen der ersten Jahrhunderte des Christentums, sondern auch auf die im allgemeineren Sinn, die Päpste, Kardinäle, Bischöfe, wird Nietzsche geradezu ironisch bis zynisch. Er stellt die Frage, was ihnen abgehe, und beantwortet sie sogleich: „Die Natur hat sie vernachlässigt – sie vergaß, ihnen eine bescheidene Mitgift von achtbaren, von anständigen, von
reinlichen Instinkten mitzugeben ... Unter uns, es sind nicht einmal Männer.“ Wer dächte da nicht sofort an Ranke-Heinemanns Buch „Eunuchen für das Himmelreich“?

Die korrupten Führer des sogenannten Christentums! Nietzsche sieht sie in allen Epochen der Kirchengeschichte am Werk: „Kreuzzüge – die höhere Seeräuberei, weiter nichts! Der deutsche Adel ... die Kirche wusste nur zu gut, womit man deutschen Adel hat ... Der deutsche Adel, immer die ‚Schweizer‘ der Kirche, immer im Dienste aller schlechten Instinkte der Kirche, aber gut bezahlt ... Dass die Kirche gerade mit Hilfe deutscher Schwerter, deutschen Blutes und Mutes ihren Todfeindschafts-Krieg gegen alles Vornehme auf Erden durchgeführt hat!

Auch an Martin Luther, den „Reformator“ der Kirche, denkt Nietzsche in diesem Zusammenhang. Er nennt ihn einen „Mönch, mit allen rachsüchtigen Instinkten eines verunglückten Priesters im Leibe“. Den Deutschen wirft Nietzsche vor, nicht bloß „diesen Mönch“ hervorgebracht zu haben, sondern „auch die unsauberste Art Christentum, die es gibt, die unheilbarste, die unwiderlegbarste, den Protestantismus auf dem Gewissen zu haben.“

Aus all seinen psychologischen, historischen, politischen und soziologischen Analysen der Kirche zieht Nietzsche den folgenden Schluss: „... ich erhebe gegen die christliche Kirche die furchtbarste aller Anklagen, die je ein Ankläger in den Mund genommen hat. Sie ist mir die höchste aller denkbaren Corruptionen, sie hat den Willen zur letzten auch nur möglichen Corruption gehabt. Die christliche Kirche ließ nichts mit ihrer Verderbnis unberührt, sie hat aus jedem Wert einen Unwert, aus jeder Wahrheit eine Lüge, aus jeder Rechtschaffenheit eine Seelen-Niedertracht gemacht. Man wage es noch, mir von ihren ‚humanitären‘ Segnungen zu reden! Irgend einen Notstand abschaffen ging wider ihre tiefste Nützlichkeit, sie lebte von Notständen, sie schuf Notstände, um sich zu verewigen ... Der Wurm der Sünde zum Beispiel: mit diesem Notstande hat erst die Kirche die Menschheit bereichert! ... ‚Humanitäre‘ Segnungen des Christentums! Aus der humanitas einen Selbst-Widerspruch, eine Kunst der Selbstschändung, einen Willen zur Lüge um jeden Preis, einen Widerwillen, eine Verachtung aller guten und rechtschaffenen Instinkte herauszuzüchten! Das wären mir Segnungen des Christentums! – Der Parasitismus als einzige Praxis der Kirche; mit ihrem Bleichsuchts-, ihrem „Heiligkeits“-Ideale jedes Blut, jede Liebe, jede Hoffnung zum Leben austrinkend ... Das Kreuz als Erkennungszeichen für die unterirdischste Verschwörung, die es je gegeben hat, - gegen Gesundheit, Schönheit, Wohlgeratenheit, Tapferkeit, Geist, Güte der Seele, gegen das Leben selbst ... Ich heiße das Christentum (wie mehrfach betont: im Sinne des kirchlich organisierten Christentums; meine Hinzufügung) den Einen großen Fluch, die Eine große innerlichste Verdorbenheit, den Einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, - ich heiße es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit.“

Um ihre Macht zu erhalten und zu vergrößern, schreckte die Kirche vor keiner Fälschung, keiner Vereinnahmung fremden Gedankengutes zurück. Das Kirchenchristentum „hat Lehren und Riten aller unterirdischen Kulte des imperium Romanum, hat den Unsinn aller Arten kranker Vernunft in sich eingeschluckt. Das Schicksal des Christentums liegt in der Notwendigkeit, dass sein Glaube selbst so krank, so niedrig und vulgär werden musste, als die Bedürfnisse krank, niedrig und vulgär waren, die mit ihm befriedigt werden sollten. Als Kirche summiert sich endlich die kranke Barbarei selbst zur Macht, - die Kirche, diese Todfeindschaftsform zu jeder Rechtschaffenheit, zu jeder Höhe der Seele, zu jeder Zucht des Geistes, zu jeder freimütigen und gütigen Menschlichkeit.“







Anmerkungen
G. Siegmund, Nietzsche, Paderborn 1937,7.
Der daran Interessierte sei auf die zahlreichen, vom Willen zu äußerster Objektivität durch-
drungenen Schriften Hermann Josef Schmidts, Prof. der Philosophie an der Universität Dort-
mund, über Nietzsche hingewiesen.
Nietzsches Werke, 8. Bd: Schriften aus dem Jahr 1888, Leipzig 1923 (Alfred Kröner Verlag),
darin: „Der Antichrist“, 205-304; Zitat auf S. 255, Nr. 39.
Ebd. 255 f (Nr. 39).
Ebd. 232 (Nr. 24).
Ebd. 236 (Nr. 26).
Ebd.
Ebd. 237 f.
Ebd. 238.
Ebd. 238 f.
Ebd. 239 (Nr. 27).
Dazu viel ausführlicher mein Buch „Die Neue Inquisition. Sektenjagd in Deutschland,
Marktheidenfeld 1999 (Verlag Das Weisse Pferd).
Nietzsche, a.a.O. 209 (Nr. 3).
Ebd. 286 (Nr. 55).
Ebd. 287 f; zum Mechanismus der Vermittlung der Offenbarungswahrheit an die Gläubigen
durch die Priester vgl. H. Mynarek, Denkverbot. Fundamentalismus in Christentum und Is-
lam, Bad Nauheim 22005 (Verlag: ASKU-PRESSE).
Nietzsche, a.a.O. 238 (Nr. 26).
Zur Feindschaft der Amtskirche gegenüber den Tieren und überhaupt der Natur s. H. My-
narek, Ökologische Religion. Ein neues Verständnis der Natur, München 21990 (Goldmann-
Taschenbuch).
Nietzsche, a.a.O. 245 f (Nr. 31).
Ebd. 244 f.
Ebd. 242 f (Nr. 29).
Ebd. 247 f (Nr. 32); 249 (Nr. 33).
Ebd. 248.
Ebd. 248 f.
Ebd. 230 (Nr. 22).
Ebd. 277 f (Nr. 51); 234 (Nr. 24).
Ebd. 278 f; 229 (Nr. 21).
Ebd. 228 (Nr. 21).
Ebd. 214 (Nr. 8, Nr. 9).
Ebd. 214 f.
Ebd. 215 (Nr. 10).
Ebd. 241 (Nr. 28).
Ebd. 251 (Nr. 36).
Ebd. 252.
Ebd. 254 (Nr. 38).
Ebd. 254 f.
Ebd. 259 (Nr. 41).
Ebd. 260 (Nr. 42).
Ebd. 260 f.
Ebd. 264 f (Nr. 44).
Ebd. 263 f.
Ebd.
Ebd. 271 (Nr. 47).
Zu Giordano Bruno und Galileo Galilei vgl. neuerdings ausführlich: H. Mynarek, Kritiker
contra Kriecher, Ulm 2005.
Nietzsche, a.a.O. 273 ff (Nr. 48, Nr. 49, Nr. 52).
Ebd. 280 (Nr. 52).
Ebd. 280 f.
Ebd. 290 f (Nr. 57).
Ebd. 284 f (Nr. 54).
Zu Luther als Fanatiker siehe die ausführlichen Belege bei H. Mynarek, Die Neue Inquisiti-
on, 103-287.
Nietzsche, a.a.O.
Ebd. 298 f (Nr. 59).
Ebd. 299 f (Nr. 60).
Ebd. 301 f (Nr. 61); vgl. nochmals zu Luthers Persönlichkeit das Kapitel: Luther - Prototyp
des Sektenjägers und Inquisitors?“ in: „Die Neue Inquisition“.
Nietzsche, a.a.O. 302 f (Nr. 62).
Ebd. 252 f (Nr. 37). Eine Bilanz des Pontifikats Johannes Pauls II, wie ich sie analytisch und
systematisch – seine ganze Dogmatik, Moral- und Sexuallehre, seine Innen- und Außenpo-
litik, seine Frauen- und Sozialpolitik behandelnd – durchgeführt habe, beweist die weitge-
hende Richtigkeit und Aktualität von Nietzsches Themen. Mein Papstbuch erscheint dem-
nächst im Ahriman Verlag, Freiburg.