"Einfach verbrennen ... heute nicht mehr"

»Einfach verbrennen kann man gefährliche Häretiker heute nicht mehr«

Der prominente Erzbischof Milingo hat geheiratet. Der Vatikan ist entsetzt und belegt ihn mit dem Bannfluch. Im letzten Jahr wurde Erzbischof Milingo noch vom Papst in Rom empfangen. Als Wunderheiler und Teufelsaustreiber wurde er in den 70er Jahren berühmt - man feierte ihn als den »neuen Messias«.

»Mahnmal aktuell« meint:
Wenn Priester in Afrika massenhaft Nonnen vergewaltigen (SPIEGEL 13/2001: »Katholische Priester und Bischöfe nötigen Nonnen und Klosterschülerinnen zum Sex - oft mit Gewalt.«), wird das Thema von Rom jahrelang verheimlicht - und nach Bekanntwerden des Skandals heruntergespielt und verharmlost: Es handle sich um »ein regionales Problem«.

Wenn ein Erzbischof heiratet statt Nonnen zu vergewaltigen, schreit Rom auf. Hier ist in der Tat guter Rat teuer: »Einfach verbrennen kann man gefährliche Häretiker heute nicht mehr« (SPIEGEL 23/2001). Erzbischof Milingo kann froh sein: Vom 13.-18. Jahrhundert fielen bis zu 10 Millionen Menschen der Inquisition auf grausamste Art zum Opfer. Der eigentliche Skandal ist die Kirche selbst: Jesus von Nazareth hat weder das Verbrennen Andersgläubiger, noch das Zölibat gelehrt.