Der Milliardenreichtum des Vatikan

Wem gehört Rom?

Das italienische Wochenmagazin „L Europeo“ veröffentlichte schon 1977 unter dem Titel „Vaticano S.p.A.“ Zahlen, wonach dem Vatikan über den Umweg von 325 Nonnen- und 87 Mönchsorden mindestens ein Viertel Roms gehöre.
Zwei Jahrzehnte später enthüllte die Zeitung „La Padania“ spektakuläre Fakten. Demnach gehören dem Vatikan circa 2500 Paläste, die allesamt als Filetstückchen bezeichnet werden können. Der Vatikan ließ dies unkommentiert.
Wenig begeistert war man im Vatikan auch von den Enthüllungen des Magazins Oggi, das 1952 die Rücklagen des Kirchenstaats auf einen Wert von 11,5, Milliarden Dollar schätzte – schon damals der zweitgrößte Staatsschatz der Welt nach dem der USA.

Doch wie kam es zu diesem großen Reichtum? Neben Erbschleicherei, Betrug, Kriegsgewinn, Sklavenhaltung und dergleichen mehr war eine gefälschte Schenkungsurkunde ein wesentlicher Grundstock für den heutigen Reichtum allein in der Stadt Rom: Die „Konstantinische Schenkung“.

Aufbruch zur Weltmacht
Betrug ganz groß – Die „Konstanische Schenkung“

Jahrhunderte lang sicherte eine Urkunde die Macht der Päpste: der römische Kaiser Konstantin der Große (280 – 337) soll als Dank für seine Heilung von der Lepra die Herrschaft über Rom und das gesamte Weströmische Reich an Papst Silvester I. übertragen haben. Außerdem stand in dem Dokument, der Kaiser habe seinen Regierungssitz im Jahr 330 von Rom nach Konstantinopel verlegt, weil er dem Papst keine Konkurrenz machen wollte. Die römisch-christliche Kirche stieg durch diese angebliche Schenkung zu einer Weltmacht auf: aus einer kleinen verfolgten Sekte wird eine Staatskirche, deren Macht größer ist als die der Kaiser.

Die umstrittene Urkunde, die erst im 8. und nicht wie vorgegeben im 4. Jahrhundert geschrieben wurde, ist eine der wohl raffiniertesten Fälschungen ihrer Zeit. Mit diesem Dokument bestärkte die Kirche über das gesamte Mittelalter hinweg, ihren Anspruch auf Italien als Territorium des Klerus. Angeblich aus der Spätantike stammend und von Kaiser Konstantin ausgestellt, entwickelte sich die Urkunde zu einer Waffe im Kampf zwischen Päpsten und Königen. Denn laut ihr schenkte Konstantin den Päpsten zum Dank für geleistete Dienste Rom und alle weströmischen Provinzen.

Die Urkunde wurde allerdings immer wieder angezweifelt. Im 12. Jh. reagierte die Amtskirche äußerst empfindlich, als die Waldenser und später auch die Hussiten, die "Konstantinische Schenkung" ablehnten. Daraufhin wurden die Kritiker der Ketzerei bezichtigt, was einem Todesurteil gleich kam. Sie hatten Inhalt und Gültigkeit dieses Dokuments in Frage gestellt und dadurch die Grundlagen der Kirche bedroht.

Erst im 15. Jahrhundert konnte unwiderlegbar nachgewiesen werden, dass diese Urkunde gefälscht war: Die lateinische Sprache, in der sie geschrieben ist, wurde zur Zeit Konstantins, im 4. Jahrhundert, gar nicht verwendet. Vermutlich ist die Urkunde frühestens im 8. Jahrhundert entstanden.

Nach anfänglich vehementer Verweigerung auf katholischer Seite hat erst Mitte des 19. Jahrhunderts der später exkommunizierte katholische Gelehrte Ignaz Döllinger die Anerkennung als Fälschung durchgesetzt.

Mittlerweile waren alle Ländereien in Italien und ab 1871 auch die Stadt Rom an den italienischen Staat um den Freiheitskämpfer Garibaldi gefallen. Die Besitzverhältnisse des Vatikan waren für kurze Zeit ungeklärt. Doch dann kam Mussolini. Er „entschädigte“ in den Zwanziger Jahren den Vatikan für die durch Betrug ergaunerten Länderein fürstlich. Mit diesem Geld hat der Vatikan bis heute den Grundstock für den Reichtum in Rom gelegt.

Es ist ein Skandal, dass der Papst und die Kirche von den großen Verbrechern der Zeitgeschichte wie Mussolini und später auch von Hitler Geld entgegengenommen haben. Doch ein noch größerer Skandal ist es, dass der Vatikan das Geld bis heute nicht zurückzahlt.