Es ist ein lauer Sommerabend vor in der ligurischen Kleinstadt Sori am Golfo di paradiso bei Genua. Es ist der Tag nach der Kirchweih, und die Leute sitzen im Freien vor der Kirche San Bartolomeo an gedeckten Tischen und speisen miteinander.
Plötzlich gibt es einen Höllenlärm. Eine Rotte junger Wildschweine taucht auf, die sich offenbar verlaufen haben. Einige Männer, darunter auch der Pfarrer der Kirche, springen auf, um die Frischlinge zu jagen.

Die Jagd auf Wildschweine war nicht freigegeben. Aber der Pfarrer schneidet zwei der kleinen Frischlinge den Weg ab, und die anwesenden Jäger nehmen Stöcke und eine Schaufel und schlagen die kleinen Tiere einfach tot. Vor den Augen der anderen Festteilnehmer.

Die Lokalzeitung Il Secolo XIX hat es genau berichtet. Es waren sogar Kinder anwesend, die furchtbar erschrocken sind über die brutale Szene. Einige Leute haben noch gerufen: „Lasst sie doch laufen!“ Aber da war es schon passiert.

Und weshalb ist die Zeitung so gut informiert? War der Journalist dabei?

Einige der Anwesenden haben Anzeige erstattet. Aus Genua kam am nächsten Tag die Umweltaufsicht und befragte den Pfarrer. Der nannte den Beamten das Haus, in dem die beiden Wildschweinleichen schon in der Kühltruhe lagen, offenbar bereit für das nächste Straßenfest.

Hat der Pfarrer wenigstens seinen Fehler eingesehen? Es war ja offenbar ein Fall von Wilddiebstahl, also Wilderei. Das ist in Italien sicher nicht anders als in Deutschland.

Der Pfarrer hat nichts eingesehen, im Gegenteil. Einige Tage danach hat er sich in der Lokalzeitung beschwert, er werde jetzt wegen zwei kleiner Wildschweine sozusagen ans Kreuz geschlagen.

Er habe ja nicht gewusst, dass es so schlimm sei, außerhalb der Jagdzeit so etwas zu tun. „Schließlich sind wir hier auf dem Land“, sagte er.

Das ist eine Gotteslästerung, wenn er sich da mit Jesus von Nazareth vergleicht. Denn der war ein großer Tierfreund. Als Er in der Wüste 40 Tage fastete, kamen die wilden Tiere zu ihm und freundeten sich mit Ihm an.

Aber die Kirche hat schon immer ein gestörtes Verhältnis zur Natur und den Tieren gehabt.

Das zeigte sich auch in der Kirche San Bartolomeo. In der ersten Messe nach diesem Vorfall stand ein Tierschützer auf, ging zum Altar und begann für das erschlagene Wildschwein die Totengebete aufzusagen. Ein anwesender Polizist warf ihn aus der Kirche. Der Priester sagte hinterher wörtlich: „Eine ewige Ruhe, das gibt es für Wildschweine nicht!“

Woran man sieht: Die Kirche spricht den Tieren ab, eine Seele zu besitzen und damit fühlende Wesen zu sein, die wie wir Menschen Schmerz und Leid empfinden können.

Die Kirche hat also einen großen Anteil daran, dass heute Tiere in aller Welt so unsäglich gequält werden, sei es in Tierversuchslabors oder in der Massentierhaltung oder auf der Jagd.

Die Zeitung Repubblica zitierte zum selben Thema aus der Bibel, wo es heißt: „Noah baute dem Herrn einen Altar und nahm von allerlei Vieh und von allerlei Geflügel und opferte Brandopfer auf dem Altar.“ Diese Bibelstelle, so Repubblica, scheint den Priester inspiriert zu haben.

Solche und noch viel grausamere Stellen finden sich unzählige im Alten Testament. Das sind aber die damaligen Priester gewesen, die solche Gemeinheiten dem Noah oder Mose in den Mund gelegt haben.

Die großen Propheten wie Jesaja oder Jeremia dachten ganz anders. Die waren gegen die Tieropfer eingestellt. Auch das steht in der Bibel.

Aber ist die Bibel heute noch verbindlich für die Kirche?

Beide großen Kirchen, sowohl die katholische als auch die lutherische, lehren bis heute, dass die Bibel von vorne bis hinten Gottes Wort ist.

Und die Priester und Pfarrer halten sich immer noch an diese scheußlichen Stellen?

Offenbar schon. Dieser Tage erst kam eine Meldung aus Österreich. Der ORF berichtete, dass Kardinal Schönborn mit 150 Priestern aus der Diözese Wien ein Sommerfest gefeiert hat.
„Spanferkel wurde gereicht“, meldete der ORF.
Und nun, liebe Leser, haben Sie die Wahl: Wollen Sie sich Jesus von Nazareth zum Vorbild nehmen, der ein Freund der Tiere war und dessen unmittelbare Nachfolger, die Urchristen, vegetarisch lebten? Oder den Kardinal und seine Priester?