Dieser Frage ging Spiegel online am 06.04.10 in seinem Artikel „Der geheime Milliardenschatz des Klerus“ nach. Die steigende Zahl der Kirchenaustritte aufgrund der Vielzahl der zu Tage tretenden Missbrauchsfällen könnte der katholischen Kirche Sorge bereiten. Doch Schätzungen zufolge summieren sich Immobilien- und Geldbesitz zu einem Milliardenvermögen.

Der Weltbild-Verlag, der 14 Bistümern und der Soldatenseelsorge Berlin gehört, brachte seinen katholischen Eigentümern 1,9 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2008. Spekulationen um den Verkaufspreis beziffern Branchenkenner auf 500 Millionen Euro.

Ob die Finanzkrise die katholische Kirche betroffen hat, dazu erfährt man vom wohlhabendsten Bistum Deutschlands in Köln, dass „prinzipiell sehr konservative Anlageformen gewählt“ würden. Diese Aussage hält Dominik Enste vom Institut der deutschen Wirtschaft durchaus für glaubwürdig und schlussfolgert, dass die katholische Kirche nahezu unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen sei.

Fragt man die katholische Kirche selbst nach ihrem Vermögen, so bekommt man keine Antwort. Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz verweist auf die Vielzahl finanziell selbständiger Institutionen, die der Bischofskonferenz nicht rechenschaftspflichtig seien.

Eine detaillierte Recherche liegt zuletzt von Carsten Frerk aus dem Jahr 2002 vor, der Grundbesitz, Geldanlagen, Beteiligungen und Immobilien der Kirchen zusammentrug. Bis zuletzt blieb er auf Schätzungen angewiesen. Sein Ergebnis lautet, dass die zur katholischen Kirche gehörenden Institutionen ein Vermögen von 270 Milliarden Euro haben.

Beide Kirchen zusammen – die katholische und die evangelische – haben zuletzt 1993 Einnahmen von 2,6 Millionen Euro aus Kapitalvermögen offen gelegt. Bei einer Verzinsung von 5% ergibt dies ein Kapitalvermögen von 52 Milliarden Euro. Vermögen von Wohlfahrtsverbänden, Hilfs- und Missionswerken waren hier noch nicht eingerechnet.

Die Kirchen selbst legen nicht offen, wie reich sie sind. In ihren eigenen Bibeln sind die Aussagen des Jesus von Nazareth zu lesen: „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln, die Motten und Rost fressen“ und „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich ein.“ Der Leser mag selbst entscheiden, ob er einer solchen Institution weiter sein Geld gibt.