En aufschlussreiches Zitat hab ich da neulich gelesen: „Es ist schwierig, eine Kanonenfabrik in eine Süßwarenfabrik umzuwandeln.“

Und wer hat das gesagt?

Das war der italienische Journalist und Buchautor Gianluigi Nuzzi. Aber noch aufschlussreicher ist, wen er damit gemeint hat.

Na wen schon? Irgendeinen Rüstungshersteller vermutlich!

Nein! Den Vatikan! Er hat nämlich in Wien die deutsche Übersetzung seines neuen Buches vorgestellt, und das Buch heißt: „Vatikan AG“.

Ah, geht es da wieder so um die Skandale der Vatikanbank vor 20 Jahren, mit Kardinal Marcinkus und dem Bankier Gottes, Roberto Calvi, der dann erhängt unter einer Londoner Brücke aufgefunden wurde?

Eben nicht! Da ist ja schon vieles darüber geschrieben worden. Es geht um die Zeit danach!

Danach?! Ich dachte, der Vatikan hätte sich danach eines besseren besonnen?

Hab ich auch gedacht. Na gut, solche kriminalfilmmäßigen Mordgeschichten, die gab es wohl nicht mehr. Aber Geldwäsche im großen Stil, das schon.

Und ist das auch bewiesen?

Allein schon die Entstehungsgeschichte des Buches hat es in sich. Renato Dardozzi, ein hochrangiger Manager der Vatikanbank, vererbte eine Fülle von Dokumenten an den Autor des Buches, weil er ihn als einen unbestechlichen Journalisten zu schätzen gelernt hatte. Er hatte diese Dokumente zu Lebzeiten in die Schweiz geschmuggelt, und dort musste Nuzzi sie sich dann abholen.

Geldwäsche, hast du gesagt? In großem Stil? Und das hat der Papst alles gedeckt?

Offensichtlich, das schreibt jedenfalls Nuzzi, hat Papst Karol Wojtyla alles gewusst, aber nichts dagegen unternommen. Sizilianische Mafiapaten haben z.B. ständig Schmiergelder bei der Vatikanbank eingezahlt. Die Vatikanbank, das sei, so wörtlich, „ein Paradies für dubiose Geldgeschäfte“ gewesen.
Auch der ehemalige christdemokratische Ministerpräsident Giulio Andreotti soll unter einem Decknamen 60 Millionen Euro über ein Konto der Vatikanbank gewaschen haben. Der sagt allerdings, er könne sich an ein solches Konto nicht erinnern.

Na ja, in dem Alter! Aber weshalb hat der Autor das mit der Süßwarenfabrik gesagt? Will da jetzt jemand was dran ändern?

Im letzten Herbst, nach dem Erscheinen des Buches, gab es plötzlich eine Veränderung in der Bank, der Chef wurde ausgewechselt. Angeblich weil die Bank Verluste machte. In Wirklichkeit wohl, weil die Missstände nicht mehr zu leugnen waren.

Wie bei den Pädophilenskandalen! Vertuschen bis zuletzt – aber nie eigene Schuld eingestehen!

Mindestens so spannend wie das Buch ist allerdings die Frage, weshalb es fast totgeschwiegen wird. In Italien war es im Oktober 2009 das meistverkaufte Sachbuch Italiens. Aber kaum jemand berichtete darüber.

Da sieht man mal, wie weit der Arm der Kirche noch immer reicht. Wie nennt man sowas bei der Mafia? Das Gesetz des Schweigens?
Omertà!

Aber wir haben’s jetzt durchbrochen. Vatikan AG. Nur falls Sie mal grade keinen Krimi zur Hand haben.