Die großen deutschen Kirchen machen sich Sorgen, dass sie in Zukunft nicht mehr genug Geld haben werden.

Wieso? Ich dachte, die sind steinreich! Die haben doch Immobilien, Aktien, Grundbesitz in Hülle und Fülle!

Ja schon, aber sie haben Sorge wegen der Kirchensteuer.

Wenn die deutsche Bundesregierung tatsächlich die Steuern senkt, dann würden auch die Einnahmen der Kirchen zurückgehen, weil die Kirchensteuer an die Einkommenssteuer gekoppelt ist.

Ach so. Und was werden die Kirchen dann tun? Die haben doch sicher schon einen Plan?

Na ja. Sie drohen damit, dass sie dann viele ihrer Krankenhäuser, Schulen, Altenheime und Kindergärten schließen müssten.

Langsam, langsam.
Diese Sozialeinrichtungen, die werden doch vom Staat massiv unterstützt. Und dann zahlen die Nutzer auch Beiträge, also Krankenkassen, Eltern von Schülern oder Kindergartenkindern usw. Das sind doch zusammen zwischen 90 und 100 Prozent der Kosten dieser Einrichtungen. Ich hab mal gehört, dass von der Kirchensteuer nur etwa 8 Prozent in öffentlich-soziale Leistungen fließen.

8 Prozent? Da gab es jetzt eine neue Zahl. Und sie stand ausgerechnet im Rheinischen Merkur, einer Wochenzeitung, die von der katholischen Kirche finanziert wird. Dort arbeitet auch der Theologe und Journalist Wolfgang Thielmann, übrigens ein Protestant. Und der schrieb vor wenigen Tagen, dass, und ich zitiere: dass „nur etwa fünf Prozent der Kircheneinnahmen direkt für soziale Zwecke ausgegeben“ werden.

Nur Fünf Prozent? Der Kircheneinnahmen? Die Kirche hat ja außer der Kirchensteuer noch weitere Einnahmen, zum Beispiel erhebliche Zinseinnahamen aus ihrem Aktienbesitz. Also muss man von den 5 Prozent noch mal was abziehen, wenn man nur den Anteil meint, der von der Kirchensteuer sozial eingesetzt wird.
Weniger als fünf Prozent der Kirchensteuer gehen also in öffentlich-soziale Zwecke ... Aber dann ist es doch ein Märchen, dass die Kirche ihre Sozialeinrichtungen schießen müsste, wenn sich die Kirchensteuer verringert!

Ein Märchen? Man könnte es auch die „Soziallüge“ nennen, mit der viele Kirchenvertreter und auch Politiker immer wieder hausieren gehen. Die Wahrheit halten sie lieber unter der Decke, weil dann vielleicht noch mehr Menschen aus der Kirche austreten würden.

Wieso noch mehr?

Na weil doch viele Leute denken: Ich bleibe in der Kirche, weil ich mit der Kirchensteuer ja was Soziales unterstütze.

Aber jetzt hat sich offenbar einer mal verplappert und ist mit der Wahrheit herausgerückt. Denn der Löwenanteil der Kirchensteuer, der geht, wenn ich dich recht verstanden habe, in die Verwaltung der Kirche selbst, in die Gebäude, in die Gehälter der Pfarrer ...

... und der Bischöfe und der Kardinäle ...

Nnnnn! Die Gehälter der Bischöfe und Kardinäle und Domkapitulare und Landesbischöfe und Oberkirchenräte undsoweiter undsofort, die zahlt in den allermeisten Fällen das jeweilige Bundesland. Das gehört zu den über 14 Mrd. Euro, die der Staat den Kirchen jedes Jahr zahlt, und zwar zusätzlich zur Kirchensteuer und zusätzlich zu den Sozialleistungen, die der Staat ja auch fast zur Gänze finanziert.

Ah! Jetzt weiß ich, weshalb der Kabarettist Hagen Rether neulich sagte: „Seht die Bischöfe und Kardinäle unter dem Himmel! Sie säen nicht, sie ernten nicht, und wir erhalten sie doch!“ Der Humanistische Pressedienst hat das Thema übrigens auch gleich aufgegriffen und noch eine weitere Rechung aufgemacht. Er schreibt, die Allgemeinheit würde von Kirchenaustritten sogar profitieren!

Wie geht jetzt das?

Das liegt an der so genannten Abziehbarkeit der Kirchensteuer.
Jeder Steuerzahler kann die Kirchensteuer von dem zu versteuernden Einkommen in voller Höhe abziehen. Dadurch entgehen dem Staat, also der Allgemeinheit, zwischen vier und fünf Milliarden Euro im Jahr an Einnahmen. Und das ist ein Vielfaches der fünf Prozent oder weniger, die die Kirchen selbst der Allgemeinheit zugute kommen lassen.

Ja, und welchen Grund gibt es dann noch, in der Kirche zu bleiben?

Das muss jeder selbst entscheiden. Aber die Zahlen liegen jetzt auf dem Tisch.