Vatikan erzeugt Solarstrom“ – das verkündet stolz die Katholische Nachrichtenagentur KNA am 7. Januar. Dieses Ereignis war in den Wochen zuvor bereits angekündigt worden. „Selbst der Papst wird grün“, hatte die Taz getitelt. Und die Frankfurter Rundschau fasste das Ganze in die Überschrift: „Strom vom Himmel für den Papst“. Auf dem dazugehörigen Foto sieht man tatsächlich Solarmodule in unmittelbarer Nähe des Petersdoms – und zwar auf dem Dach der päpstlichen Audienzhalle.

Beim Lesen der Artikel wird allerdings rasch klar, dass es nicht Papst Joseph Ratzinger war, der die Idee hatte, die 37 Jahre alte Audienzhalle per Solarstrom mit Licht, Heizung und Kühlung zu versorgen. Es war vielmehr eine deutsche Solarstromfirma aus Sachsen, die sich diesen Werbegag ausdachte und dem Vatikan die 1,5 Millionen Euro teure Anlage samt Einbau zum Geschenk machte. Und damit möglichst viele davon erfahren, verlieh die Europäische Vereinigung für erneuerbare Energien dem Vatikan auch gleich noch – als einem von elf Preisträgern – den Europäischen Solarpreis 2008.

Auf diese Weise kam also der reiche Vatikan ohne eigenes Zutun nicht nur zu einer kostenlosen Solaranlage, sondern auch gleich noch zu einer internationalen Auszeichnung.
Kardinal Paul Poupard, Präsident des päpstlichen Kulturrats, nützte die Gunst der Stunde und brach eine Lanze für den Umweltschutz: „Wenn der Mensch vergesse“, so Poupard, „ein Diener von Mutter Erde zu sein, dann wird die Erde gegen den Menschen rebellieren, und statt eines Ortes der Gastfreundschaft wird sie zu einer Wüste, welche das Überleben der Kreatur bedroht.“

Solche Worte hören sich gut an – und sie passen auch in unsere Zeit. Doch wie hielt es die Kirche in all den Jahrhunderten, in denen das Thema Umwelt noch nicht so populär war? Und wie hält sie es heute? Wer der Mutter Erde dienen will, der müsste sich doch z.B. auch gegen die industrialisierte Landwirtschaft aussprechen, die mit Monokulturen, mit Kunstdünger und Pestiziden die Landschaft weltweit vergiftet und verarmen lässt. Der müsste doch auch Stellung beziehen gegen die industrialisierte Viehzucht und den zunehmenden Fleischkonsum auf der Erde – denn für die Massentierhaltung werden die letzten Regenwälder abgeholzt, um dort Futtermittel anzubauen. Und der Methanausstoß vor allem in der Rinderhaltung trägt erheblich zur Klimakatastrophe bei. Zur Mutter Erde gehören auch die Tiere. Wann hat der Papst etwas gegen die grausamen Tierversuche gesagt? Oder wann hat er Eingriffe in die Schöpfungsordnung der Mutter Erde verurteilt, wie sie z.B. die Genmanipulation darstellt? Stattdessen haben kirchliche Theologen Gott über Jahrhunderte hinweg in einen fernen Himmel verbannt und in Abrede gestellt, dass Sein Geist auch in der Natur gegenwärtig ist. Damit haben sie maßgeblich mit bewirkt, dass die Natur als reine Materie, als Sache betrachtet wurde und wird, die man beliebig ausbeuten kann.