In Irland wird zur Zeit eine Weltneuheit vorbereitet, etwas, was es bisher noch nirgends sonst gibt.
Der Anlass ist leider ein nicht sehr erfreulicher. Es geht um die Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der Vergangenheit. In Irland wird demnächst das erste Mahnmal für die Opfer der Sexualverbrechen von Priestern errichtet.

In Irland gab es im Mai den großen „Ryan Report“. Da kam heraus, dass in den letzten Jahrzehnten mehr als 2000 Kinder in katholischen Kinderheimen misshandelt, geschlagen, zu Zwangsarbeit gezwungen und sexuell missbraucht wurden.

Genau. Und die irische Regierung hat jetzt als Konsequenz aus diesem Bericht trotz Wirtschaftskrise 25 Millionen Euro bereitgestellt für die Errichtung eines Mahnmals, aber auch für weitere Maßnahmen der Aufarbeitung und Vorbeugung.

270 Sozialarbeiter sollen neu eingestellt werden, um die Opfer zu betreuen, die meist lebenslang unter den seelischen Nachwirkungen der Misshandlungen zu leiden haben. Und ein Telefondienst soll eingerichtet werden, damit Kinder und Jugendliche rund um die Uhr eine Anlaufstelle haben.

Und wer zahlt das? Die Verursacher, also die Kirchen?

Die 25 Millionen zahlt der Staat. Aber die Kirchen kommen auch nicht ungeschoren davon. 18 katholische Orden, die alle in die Missbrauchsfälle verwickelt waren, haben bereits Ländereien und Immobilien im Wert von 33 Millionen Euro dem Staat übergeben. Insgesamt soll die Kirche 128 Millionen Euro zahlen, um die Opfer zu entschädigen.

Da sieht man’s: Die Kirchen sind in aller Regel steinreich. Und ihre Opfer sind meist bettelarm, arbeitsunfähig und therapiebedürftig. Auch in Deutschland.

Es sind die ehemaligen Heimkinder in Deutschland, deren Leidensweg durch kirchliche Heime erst in den letzten Jahren bekannt wurde.

Irland war ja der Auslöser mit dem Film „The Magdalen Sisters“ vor einigen Jahren Dann erst fanden auch die deutschen Opfer den Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Doch bekommen sie jetzt auch Entschädigung?

Das liegt noch in weiter Ferne. Während das katholisch geprägte Irland hier Spitzenreiter in der Aufklärung der Vergangenheit ist, scheint Deutschland eher das Schlusslicht zu bilden.

Dabei sind die Deutschen doch nicht ganz zu Unrecht immer so stolz darauf, wie gründlich sie die Vergangenheit des Dritten Reiches aufgearbeitet haben. Beim Thema „Kirche“ verlässt sie offenbar der Mut.

Zwar gibt es einen „Runden Tisch“, wo über die Heimkinder gesprochen wird! Aber in der neusten Ausgabe der von Konfessionslosen herausgegebenen Zeitschrift Materialien und Information zur Zeit wird aufgedeckt, wie so etwas in Deutschland läuft. Der Verein Ehemaliger Heimkinder durfte zwar drei Vertreter zu diesem Runden Tisch entsenden.

Aber die wurden von den dortigen Kirchenvertretern so eingeseift, dass sie ihren Vereinsgenossen nichts mehr berichteten, dann aus dem Verein austraten und jetzt nur noch sich selbst vertreten.

Es ist ja bekannt , dass solche Menschen meist massiv traumatisiert und leicht zu beeinflussen sind.

Die Vorsitzende des Vereins, Heidi Dettinger, sagte in der erwähnten Zeitschrift: „Die ehemaligen Heimkinder gehorchen mal wieder.“

Aber dann ist das Ganze ja eine Farce. Wer leitet eigentlich diesen Runden Tisch?

Antje Vollmer, eine Politikerin der Grünen und eine evangelische Theologin und ehemalige lutherische Pastorin.

Da wird ja offenbar wieder mal der Bock zum Gärtner gemacht. Wenn die Iren das so gemacht hätten, dann wäre dort auch alles mit viel Gerede im Sande verlaufen.

Es gibt eben nicht nur finanzielle, sondern auch theologische Korruption.

Und da scheint Deutschland nach wie vor einen unangefochtenen Spitzenplatz einzunehmen. Bei Entschädigungsfragen geht’s ja um beides: um Macht und um Geld.

Nur: Mit der Ethik des Jesus von Nazareth hat das alles nichts zu tun. Wenn ich Unrecht begangen habe, dann soll ich meinen Nächsten um Vergebung bitten und den Schaden nach Kräften wiedergutmachen.