Große Aufregung herrschte in Deutschland im Frühjahr 2010 über ein Plakat zum Thema „Kirchenaustritt“.
Und inzwischen hat unser Kamerateam eine ganze Reihe davon eingefangen. Sie hängen also tatsächlich fast überall. Vielleicht haben Sie auch schon eines zu Gesicht bekommen.

Aber sie stoßen naturgemäß nicht überall auf Gegenliebe. In der Presse entstand mancherorts einiger Wirbel. In Biberach z.B. veranlasste der Stadtpfarrer, dass neben das Plakat ein Gegenplakat gehängt wurde, auf dem eine Familie bekundet, dass ihr die Kirche Hoffnung gibt.

Wie sagt da der Volksmund: „Hoffen und Harren hält viele zum Narren.“

Das Plakat der Freien Bürger für Anstand und ethische Werte bezeichnete der Pfarrer als „reine Hetze gegen die Kirche.“

Und hat er irgendwas angemerkt, das nicht stimmen soll auf dem Plakat?

Ja, er sagt, es stehe drauf, dass die Kirche im Luxus schwelge. Das stimme nicht.

Auf dem Plakat steht – unter spart-euch-die-kirche.de kann man es nachlesen: „Wollen Sie diejenigen unterstützen, die selbst im Luxus schwelgen und andere zur Kasse bitten, die ihren Lebensunterhalt hart erarbeiten?“

Also wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ein Bischof oder Landesbischof 8- oder 10 000 Euro im Monat verdient, und zwar nicht von der Kirchensteuer bezahlt, sondern auf Kosten aller Steuerzahler ... Also wenn das kein Luxus ist, den einfache Bürger hart erarbeiten müssen
Aber es gab noch mehr Reaktionen. In Pölling bei Neumarkt in der Oberpfalz wurde am Stammtisch geschimpft, das Plakat müsse unbedingt weg, das sei eine Sauerei. Das berichtet die Mittelbayerische Zeitung. In Bad Tölz wurde das Plakat kurzerhand gleich abgerissen.

Das ist offenbar die katholische Methode: „Deshalb muss die Kirche alles entfernen und ausmerzen, was gegen den Glauben ist oder dem Seelenheil irgendwie schaden könnte“. Das steht schon in der katholischen Dogmensammlung Neuner-Roos.
Aber Bad Tölz – das war doch der Ort, wo ein rechtskräftig verurteilter Kinderschänderpriester, der unter der Ägide des damaligen Kardinals Ratzinger in das Erzbistum München kam, bis vor kurzem noch als Kurseelsorger eingesetzt war?

Ist ja klar: Wo die Erklärungsnot am größten, dort schreit man am lautesten. Deshalb treten ja so viele Menschen aus der Kirche aus: Weil sie merken, woher der Wind weht, und weil sie genug davon haben, dass von der eigenen Schuld abgelenkt wird.
In diese Richtung gehen auch andere Reaktionen: Das Plakat bezeuge eine „fundamentale Feindschaft“ gegen die Kirche, es sei „hasserfüllte antikirchliche Propaganda“. Wer so etwas aufhänge, der sei gefährlich und lehne traditionelle Institutionen wie Ehe, Familie und Staat ab.

Welche Institution durch Wegschauen und Vertuschen Ehe und Familie gefährdet und durch die Subventionen, die sie dem Staat abverlangt, diesen finanziell in Gefahr gebracht hat, das steht ja auf dem Plakat genau drauf. Und dann werden diejenigen auch noch beschimpft, die für den Staat eintreten, dass er nicht länger von der Kirche geschröpft wird, die für die Familien eintreten, dass die Priestermänner dort nicht einbrechen und die Kinder misshandeln.
Die Kirchenvertreter, die mit Schaum vor dem Mund so etwas von sich geben, und die Journalisten, die es unkommentiert abdrucken, die rechnen offenbar damit, dass niemand das Plakat wirklich gelesen hat.

Das wäre ja auch nach kirchlicher Lehre eine schwere Sünde, denn jedenfalls im Mittelalter war es so: Von Ketzern darf ich nichts annehmen und auch nichts lesen, da könnte ich mich ja anstecken, und die Inquisition würde mich gleich zum Verhör abholen.

Ein gewisse Dosis Mittelalter haben wir ja schon noch in den Köpfen. Aber immerhin wird man heute nicht mehr auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wenn man so ein Plakat aufhängt.

Vielleicht ist das ja der eigentliche Grund für die hasserfüllte Wut, mit der manche Kirchenvertreter sich jetzt dazu äußern: Vielleicht hätten sie ja die alten Zeiten, in denen sie noch mehr Macht hatten, insgeheim gerne zurück.

Wer weiß? Auf jeden Fall ist es doch bemerkenswert, dass von den Tatsachen die auf dem Plakat stehen, nichts widerlegt wurde. Allein das ist ja schon ein bemerkenswerter Erfolg.

Und jeder kann sich jetzt frei entscheiden, was er mit diesen Tatsachen tun will.