Der „unselige Papst“ – ein Geschenk Gottes?
Papst Joseph Ratzinger hat nach einem Bericht der italienischen Zeitung „La Repubblica“ den umstrittenen Papst Pius XII. gegen nach seiner Meinung „einseitige Darstellungen“ verteidigt und als „außerordentliches Geschenk Gottes“ bezeichnet. Dem vor 50 Jahren verstorbenen Pius wird insbesondere vorgeworfen, seine Stimme nicht gegen den Massenmord der Nazis an den Juden erhoben zu haben. Überlebende des Holocaust haben bereits angekündigt, im Falle einer Seligsprechung dieses Papstes weltweiten Protest zu erheben.

Besondere Brisanz erhält das Eintreten des deutschen Papstes für seinen schweigenden Vorgänger dadurch, dass es genau einen Tag vor dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht erfolgte. Damals, 1938, zerstörte der von den Machthabern aufgeheizte Nazi-Mob in Deutschland über 1400 Synagogen, 400 Menschen wurden ermordet. Auch die deutsche Bevölkerung schwieg damals – und die Vatikankirche schweigt bis heute weitgehend über ihren erheblichen Anteil am Entstehen der verhängnisvollen Judenfeindschaft über viele Jahrhunderte hinweg und leugnet jegliche Mitverantwortung für Hitlers Massenmorde.

Sollte man von einem deutschen Papst bei diesem Thema nicht mehr Sensibilität gegenüber unseren jüdischen Mitbürgern erwarten können? Joseph Ratzinger äußerte sich zwar am Tag darauf auch zur Reichspogromnacht und sprach von der „Pflicht jedes einzelnen, auf allen Ebenen gegen jede Form des Antisemitismus und der Diskriminierung einzutreten“. Doch wie glaubwürdig sind solche Worte, wenn er gleichzeitig die Rolle seines Vorgängers zu verharmlosen versucht?
Lesen Sie hierzu das Buch: Der unselige Papst