„Wir alle sind für den Schutz und die Bewahrung der Schöpfung verantwortlich“?

Würd’ ich sofort unterschreiben.

Oder diesen Satz: „Ich erhoffe deshalb die Annahme eines Entwicklungsmodells, das ... gegründet ist ... auf dem Bewusstsein der notwendigen Änderung des Lebensstils ...“

Das ist zwar etwas kompliziert ausgedrückt, aber der Grundgedanke stimmt: Wir Menschen müssen unseren Lebensstil ändern, sonst wird es ungemütlich auf dem Planeten Erde.

Noch einen hab ich: „Willst du den Frieden fördern, so bewahre die Schöpfung.“

Also das kommt mir jetzt bekannt vor. Das war doch jetzt in den Nachrichten ... Ist das nicht am Ende ein Satz vom Oberhaupt der katholischen Kirche?

Genau. Das waren alles Sätze aus der „Botschaft Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. zur Feier des Weltfriedenstages“ am 1. Januar 2010, so heißt es offiziell. Und der letzte Satz war die Überschrift: „Willst du den Frieden fördern, so bewahre die Schöpfung.“

Da scheint der Papst ja unter die Klimaschützer gegangen zu sein. Grüner geht’s ja kaum noch. Hast du wirklich die ganze Botschaft durchgelesen?

Zehn Seiten waren’s nur, das ging noch. Aber eins ist mir dabei aufgefallen: In den ganzen 10 Seiten kommt kein einziges Mal das Wort „Tiere“ vor.

Nichts über die Tiere? Nichts über Massentierhaltung, über Tierversuche? Gehören die Tiere etwa nicht zur Schöpfung, die bewahrt werden soll?

Offenbar nicht so ganz. Aber der Papst weiß wahrscheinlich, weshalb er die Tiere lieber nicht erwähnt. Er hat schließlich als Kardinal Ratzinger den derzeit gültigen Katechismus der Vatikankirche mit ausgearbeitet. Und da sind Tierversuche ausdrücklich erlaubt. Und der Gebrauch von Tieren als Nutztiere. Diese können, so wörtlich, „einer gerechten Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dienen“.

Und der Papst isst ja selber gerne Fleisch. An Weihnachten hat er sich mal einen Rehbraten aus Deutschland schicken lassen, ein anderes Mal hat er einen Kapaun verzehrt, einen kastrierten Hahn. Aber eigentlich würde eine Einschränkung des Fleischverzehrs doch zu einer Änderung des Lebensstils gehören? Die Erzeugung von Fleisch belastet doch ganz erheblich das Klima?

Aber in der Weltfriedensbotschaft steht davon nichts. Stattdessen habe ich am Ende des Textes eine ganz merkwürdige Passage gefunden. Da schreibt der Papst, man solle die Natur nicht „verabsolutieren oder sie für wichtiger als den Menschen selbst halten.“ Da würde man sonst einem „neuen Pantheismus mit neuheidnischen Akzenten“ Vorschub leisten.

Im Katechismus steht ja auch schon, dass man Tieren nicht die Liebe zuwenden darf, die einzig Menschen gebührt. Und die Auffassung, dass alles, was lebt, von Gott beatmet wird, hat die Kirche schon immer als Pantheismus verfolgt – obwohl es die Lehre der ersten Christen war.

Schon in Seiner Bergpredigt sprach Jesus von Nazareth von den Friedfertigen, und gemeint sind die Menschen, die Frieden bewahren zwischen Mensch, Natur und Tieren. Aber was hat die Kirche daraus gemacht? Was bleibt dann von der Friedensbotschaft des Papstes? Sie klingt gut – aber was steckt dahinter?

Vielleicht der Versuch, im letzten Moment auf den längst fahrenden Zug des Klimaschutzes aufzuspringen, weil es gerade modern ist. Und weil die Klimakatastrophe nicht mehr zu leugnen ist. In Wirklichkeit waren es doch beide großen Kirchen, die schon vor Jahrzehnten eine Stimme bekämpft und lächerlich gemacht haben, die damals schon vor einer drohenden Klimakatastrophe gewarnt hat.

Welche Stimme meinst du konkret?

Ich meine die Stimme des Prophetischen Wortes. Durch Gabriele, die Prophetin und Botschafterin Gottes für unsere Zeit, hat der Christus-Gottes-Geist die Menschheit rechtzeitig gewarnt, schon vor mehr als drei Jahrzehnten.

Wie glaubwürdig ist dann der Aufruf des Papstes? Entscheiden Sie selbst.