Folgendes Zitat hab ich in der Abendzeitung München (4.12.2009) gefunden: „Wir brauchen nicht den bärtigen alten Mann im roten Filzkostüm, den die Industrie erfunden hat, um an unser Geld zu kommen“. Und zwar sagte das der Erzbischof Reinhard Marx aus München. Wen hat er wohl damit gemeint?

Alter Mann mit Bart? Das kann doch nur der Weihnachtsmann sein!

Richtig! Marx möchte, dass an dessen Stelle wieder der Heilige Nikolaus tritt. Der habe – im Gegensatz zum Weihnachtsmann – ja wirklich gelebt, als Bischof Nikolaus von Myra im 4. Jahrhundert. Und er habe Gutes getan, Hungrige gespeist und viele Wunder bewirkt.

Na ja. Wenn man diesen uralten Legenden schon Glauben schenkt, dann müsste man wenigstens auch hinzufügen, dass er auf dem Konzil von Nicäa angeblich seinen Widersacher Arius, der später als „Ketzer“ verfolgt und schließlich vergiftet wurde, geohrfeigt haben soll. Und ein römisches Heiligtum der Diana ließ er auch zerstören.

Also ein ziemlich intoleranter Rabauke. Aber eben gut katholisch.

Irgendwie find ich das ja lustig, dass die katholische Kirche jetzt mit fast 500 Jahren Verspätung auf Martin Luther reagiert.

Wieso? Was hat der mit dem Weihnachtsmann zu tun?

Luther hat seinerzeit dem Nikolaus einen schweren Schlag versetzt. Er hatte was gegen die katholische Heiligenverehrung und erfand kurzerhand das „Christkind“, das nicht am 6. Dezember wie der Nikolaus, sondern am Weihnachtsabend Geschenke bringt.

Und wie kam es dann zum Weihnachtsmann?

Der ist eine Erfindung der Amerikaner aus dem 19. Jahrhundert – ein stark abgerüsteter Nikolaus sozusagen, ohne Bischofsmütze und moralischen Zeigefinger, ohne Knecht Ruprecht und Rute, dafür mit Rentieren und Schlitten.

Aber wenn ich das so höre: 4. Jahrhundert, Reformationszeit, 19. Jahrhundert ... Was ist da jetzt eigentlich christlich an diesen ganzen Erfindungen und Legenden?

Christlich? Im Grunde genommen gar nichts. So wie das ganze Weihnachten. Das Christentum ist 300 Jahre lang ohne ein Weihnachtsfest ausgekommen. Ein Fachmann hat mal geschrieben: Von den Menschen, die als erste Weihnachten feierten, war Jesus von Nazareth zeitlich weiter entfernt als von uns heute Kant oder Goethe.

Aber sich gegenseitig Geschenke zu machen, das ist doch ein schöner Brauch!

Ein Brauch der alten Römer, die sich zu Neujahr zu beschenken pflegten.

Aber eigentlich ist das ja unlogisch. Wenn man schon behauptet, dass Jesus von Nazareth ausgerechnet am 24. Dezember auf die Welt kam – übrigens ist dieses Datum „zufällig“ auch das höchste Fest des heidnischen Sonnengottes – wenn man das schon behauptet, dann müsste man doch eigentlich demjenigen ein Geschenk machen, der an diesem Tag Geburtstag hat.

Und was kann man Jesus, dem Christus, dem Sohn Gottes, dann schenken?

Ja, was wünscht Er sich? Eine gute Frage. Er hat uns ja die Bergpredigt gebracht. Da könnte man mal drüber nachdenken und sie im Alltag anwenden. Zum Beispiel die goldene Regel: ...

Ich finde, irgendwie hast Du recht. Wir sollten in Jesus mehr den großen Weisheitslehrer sehen, den geistigen Revolutionär, und nicht so sehr das Kind in der Krippe, das noch gar nicht reden kann!

Wenn Du Geburtstag hast, dann holt man ja auch nicht dein Kinderbettchen vom Speicher und singt die alten Wiegenlieder.