„Kardinal Kuharic hat Präsident Tudjman Diamanten übergeben“. Diese Nachricht aus der Zeitung Jutarnji List schlug in der kroatischen Öffentlichkeit vor wenigen Tagen große Wellen. Franjo Tudjman, das war in den 90-er Jahren der Präsident Kroatiens. Es geht in dieser Meldung um illegale Waffengeschäfte, um geraubte Diamanten jüdischer Herkunft – und um die Verwicklung der Kirche in das alles.

Um die Geschichte zu verstehen, muss man bis in den Zweiten Weltkrieg zurückgehen. Damals erpressten und raubten kroatische Faschisten, auch Ustaschen genannt, von Juden Unmengen von Gold und Diamanten. In faschistischen Todeslagern kamen damals nicht nur Juden, sondern auch mehrere hunderttausend orthodoxe Serben ums Leben.

Was geschah dann mit diesem Schatz?

Der Antwort auf diese Frage kam man erst 1997 näher. Damals tauchte ein Schriftstück eines amerikanischen Agenten auf, wonach der Vatikan kurz nach dem Krieg aus Kroatien Gold und Diamanten im Wert von 200 Millionen Franken erhalten haben soll. Historiker vermuten, dass sozusagen als Gegenleistung für dieses Geld zahlreiche Faschisten von der Vatikankirche über die sogenannte „Rattenlinie“ nach Südamerika geschleust wurden.

Das Ustascha-Regime hatte zwischen 1941 und 43 sehr eng mit der römischen Kirche zusammengearbeitet, mit Wissen und Billigung des Vatikan. Klöster dienten damals als Waffenlager, und zahlreiche Franziskanermönche betätigten sich persönlich als KZ-Wächter oder Massenmörder.
Und nun kommt heraus, dass der kroatische Präsident und Nationalistenführer Franjo Tudjman in den 90-er Jahren Diamanten im Wert von mindestens 40 Millionen Dollar erhalten haben soll – und zwar von einem Kardinal. Das berichtet der damalige Waffenhändler Ferdinand Jukic der Zeitung Jutarnji list aus Zagreb. Mit dem Geld sollten Waffen für den damaligen Jugoslawien-Krieg gekauft werden. Diese Waffengeschäfte liefen damals alle illegal ab, weil das ehemalige Jugoslawien unter Embargo stand.

Woher stammten diese Diamanten? Auch aus dem Zweiten Weltkrieg?

Das ist nahe liegend, denn Jukic berichtet, dass er versuchte, diese Diamanten in Wien zu Geld zu machen. Doch ein Fachmann erkannte deren jüdische Herkunft, worauf der Waffenschieber lieber die Finger von dem Geschäft ließ.

Wenn wir einmal davon ausgehen dass das stimmt, was Jukic sagt, dann bleibt immer noch die Frage: Weshalb hat die Kirche das Geld Tudjman gegeben?

Da bleiben also noch viele Fragen offen. Die kroatischen Behörden ermitteln, aber sie stehen unter Druck. Vor wenigen Tagen wurde in Zagreb die Tochter des Rechtsanwalts eines anderen Waffenschiebers ermordet, der ebenfalls in die Diamantenaffäre verwickelt war. Es gibt also in Kroatien starke Kräfte, die eine Aufklärung der Vorfälle verhindern wollen. Aber die Geschichte zeigt auch, dass irgendwann alles ans Licht kommt.