In der peruanischen Stadt Arequipa wurde gerade ein Jubeljahr ausgerufen wurde, das noch bis zum Sommer 2010 dauern wird.
Vor 400 Jahren, im Jahr 1609, wurde die katholische Diözese Arequipa gegründet. Die Stadt Ayacucho hat ihr Jubeljahr gerade
hinter sich, die war ein Jahr früher dran.
Da kommen die Peruaner aus dem Feiern ja gar nicht mehr heraus. Die katholische Kirche, das muss man ihr lassen, hat einen hoch entwickelten Sinn für Jubiläen.
Haben die Spanier nicht das ganze Gebiet zuvor mit Feuer und Schwert erobert?
Die Eroberung Lateinamerikas im Namen Gottes gehört zu den scheußlichsten Völkermorde der Weltgeschichte, bei dem insgesamt etwa 100 Millionen Menschen ums Leben kamen.
Und die Spanier haben sich doch immens daran bereichert, haben Gold und Silber in Massen abtransportiert?
Der katholische Priester Enrique Rosner schreibt in seinem Buch „Missionare und Musketen“: „Wen überfällt nicht ein Schaudern, wenn er den mit 20 Tonnen Blattgold vergoldeten Altar der Kathedrale von Sevilla bestaunt und dabei an das in den Minen vergossene Blut der Indios denkt?“
Und ein Zeitzeuge dieser Vorgänge, der Inka Poma de Ayala, schrieb im Jahr 1614: „Bis heute hält dieser Hunger nach Gold und Silber an, in dem sich die Spanier gegenseitig umbringen und in dem die armen Indios totgeschunden werden. Wegen des Goldes und des Silbers bleiben weite Teile des Reiches entvölkert.“
Da könnte doch der Vatikan das geraubte Gold an die Peruaner zurückgeben oder ersatzweise einen Teil seines immensen Aktienbesitzes. Damit könnten dann Arbeitsplätze für die Armen geschaffen werden. Das wäre doch ein wirkliches Jubeljahr!
Die Indios von Arequipa bekommen doch immerhin im Jubeljahr einen vollkommenen Ablass ihrer Sündenstrafen – vom Papst persönlich bewilligt!
Einen Ablass? Gibt`s das heute wirklich noch? Und was muss man tun, um den zu erhalten?
Man muss beichten, die Kommunion empfangen und durch das geöffnete Eingangstor der Kathedrale von Arequipa gehen.
Früher hat’s noch etwas mehr gekostet. Zu Zeiten Luthers hat doch der Papst den Bau des Petersdoms mit Ablassgeldern finanziert.
Heute würde es dem Papst schon reichen, wenn ihm die Gläubigen nicht länger in Scharen davonlaufen. Und zu diesem Zweck erzählt er ihnen so manche schöne Geschichte.
Bei seiner Brasilienreise im Mai 2007 sagte Papst Ratzinger, die Indios seien durch die katholische Mission zur Zeit der Eroberung nicht unterdrückt und auch ihrer Tradition nicht entfremdet worden. Im Gegenteil: Sie hätten sich sogar heimlich nach Christus gesehnt.
Nach Christus vielleicht schon, aber sicher nicht nach so einer Kirche. Und auch nicht nach dem Gott der Kirche. Hinter der Ablass-Idee steckt ja auch wieder die Vorstellung eines strafenden Gottes, der durch bestimmte äußere Bußübungen an ganz bestimmten Orten "besänftigt" werden kann.
Das ist aber nicht christlich, sondern heidnisch. Denn Jesus lehrte einen Gott der Liebe, nicht einen der Strafe. Und auch der Brauch, eine “heilige Pforte” zu durchschreiten, ist ein heidnischer Brauch aus dem alten Rom: Auf dem Forum Romanum stand das “Janus-Tor”, das die römischen Kaiser bei Krieg öffneten und bei Frieden schlossen. Was würde wohl Jesus von Nazareth zu all diesen Bräuchen sagen?
Wahrscheinlich: Wenn du etwas geraubt hast, gib das geraubte Gut zurück.