Wann folgen die Jäger Hubertus nach?
Alljährlich tritt vor allem Anfang November die Jagd in den Vordergrund der Medienberichterstattung. Das liegt vermutlich am Namenstag des heiligen Hubertus, der am 03. November jeden Jahres gefeiert wird. Rund um diesen Tag finden in vielen Kirchen sogenannte Hubertusmessen statt. Dabei werden nicht nur die Jäger gesegnet, sondern auch die sogenannte Strecke, also die getöteten Tiere, aufgebahrt und zur Schau gestellt. Jedes Jahr legitimiert die Kirche auf diese Weise den gewaltsamen Tod von ca. 5,5 Millionen Wildtieren allein in Deutschland.

Wer war Hubertus eigentlich, nach dem diese Messe benannt ist?
Gemäß der überlieferten Legende wurde Hubertus um 655 als Sohn eines Edelmannes geboren und führte anfangs ein vergnügungssüchtiges Leben und war ein leidenschaftlicher Jäger. Als er eines Tages bei der Jagd einen Hirsch aufgespürt hatte und ihn verfolgte, um ihn zu töten, stellte sich dieser ihm plötzlich entgegen. Zwischen seinem Geweih erstrahlte ein Kreuz, und in der Gestalt des Hirsches sprach Christus zu ihm: »Hubertus, warum jagst du mich?«
Hubertus stieg vom Pferd und kniete vor dem Hirsch nieder. Von diesem Moment an beendete Hubertus das Jagen und führte fortan ein einfaches Leben.

Die Hubertuslegende ist also genaugenommen eine Anti-Jagd-Legende. Das Symbol des Kreuzes, das das Leid Christi symbolisiert, wird in dieser Geschichte auf die gesamte Kreatur ausgedehnt, gemäß dem Jesuswort: »Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, dass habt ihr mir getan«. (Matthäus 25,40)
Darüber hinaus steht an keiner Stelle der Bibel, dass Jesus, der Christus, auf den sich sowohl die lutherische wie auch die katholische Kirche berufen, jemals Tiere gejagt hat. Das wäre auch sehr widersinnig, denn Gottes 5. Gebot lautet »Du sollst nicht töten«. Jede Jagd ist aber zwangsweise mit dem Töten verbunden.

Tierschützer weisen immer wieder auf diese Aussagen und weitere Prophetenworte hin, denen zu entnehmen ist, dass weder die Jagd noch der Fleischverzehr gottgewollt ist. Vermutlich veranlasste die erfolgreiche Aufklärung von seiten der Tierfreunde nun die Bayerischen Jäger zu einer Rechtfertigung. In der Novemberausgabe ihrer Verbandszeitung „Jagd in Bayern“ erschien nun ein Artikel über das Thema „Jagd“ in der Bibel. Tatsächlich sind in der Bibel martialische Beispiele von Tiertötungen zu finden. Mit dem Wort Gottes dürften sie jedoch wenig zu tun haben, sondern eher von Menschenhand hineingeschrieben worden sein. Diese blutige Seite der Bibel könnte allerdings auch den Jägern selbst zum Verhängnis werden. Denn in der Bibel wird nicht nur zum Töten von Tieren aufgerufen, sondern darin wird z.B. auch die Steinigung von Ehebrechern gefordert. In der bereits erwähnten Ausgabe der „Jagd in Bayern“ wurden auch die Jäger vorgestellt, die den Einzug in den Bayerischen Landtag geschafft haben. Von den zehn jagenden Parlamentariern sind übrigens neun Mitglieder einer Partei, die das „C“ für christlich im Parteinamen führt. Somit dürften ihnen ja die Worte der Bibel bekannt sein. Hoffentlich bietet der Lebenswandel dieser Jäger keinen Anlass zur Sorge, angesichts der in der Bibel enthaltenen Strafandrohungen.