Der katholische Kardinal von München und Freising, Reinhard Marx, hat Ende 2009 der Wiener Tageszeitung Standard ein Interview gegeben:
„Wir als Christen wissen, dass es die ideale Gesellschaft nicht geben kann. Es gibt kein Paradies auf Erden. Da sind wir nüchterner als die Marxisten, die meinen, sie könnten einen neuen Menschen und eine ideale Gesellschaftsordnung erschaffen. Dieser Versuch ist im vergangenen Jahrhundert kläglich gescheitert.“ Zitat Ende.
„Wir als Christen“? Aber in der Bibel steht doch die Verheißung des Jesaja: „Da wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein“ usw. Das ist doch im Grunde die Ankündigung eines paradiesischen Zustandes hier auf Erden, wo der Mensch im Frieden lebt mit seinen Mitmenschen und mit der Natur. Und auf diesen Zustand sollen wir Menschen doch hinarbeiten, indem wir friedfertig werden.
Wer es nicht verstanden hat oder nicht verstehen will, das ist der Erzbischof. Aber die Friedfertigkeit war ja noch nie die große Stärke der Kirche.
Es heißt ja auch in der Bibel: „Es werde ein neuer Himmel und eine neue Erde.“ Und dazu gehört doch auch ein neuer Mensch, oder?
Auch dazu gibt es zahlreiche Hinweise in der Bibel des Papstes. So schreibt Paulus an die Epheser, es sei die Lehre Jesu, „dass ihr die alte Persönlichkeit ablegen sollt, die eurem früheren Wandel entspricht. Und der Prophet Ezechiel spricht die Worte aus, die Gott in ihn hineingelegt hat: „Und ich will ihnen ein Herz geben, und einen neuen Geist werde ich in ihr Inneres legen.“
Aber da müssten die Kirchenvertreter ja bei sich selbst beginnen, um neue Menschen zu werden. Denn mit Zwang erreicht man natürlich nichts. Nur durch das eigene Vorbild.
Das wäre wirklich etwas viel verlangt von einem Staatsbischof, der sein üppiges Gehalt pünktlich zum Monatsersten vom bayerischen Staat bezieht und in einer Art Staatspalast wohnt, während in seiner Stadt viele Menschen Armut leiden und arbeitslos sind. Da kann man leicht über soziale Fragen räsonieren.
Aber was ist dann mit dem Bibelwort: „Werdet vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“?
Das hat schließlich Jesus von Nazareth gesagt. Und auf dessen Worte haben die Kirchenvertreter noch nie viel gegeben. Am Zustand unserer Welt kann man es ablesen.
Aber dann kann es der Kirche ja gar nicht gelegen kommen, wenn sich jemand daran macht, die Welt ein wenig friedvoller zu machen, indem er bei sich selbst beginnt, indem er Frieden schließt mit seinen Mitmenschen, mit der Natur..
Und vielleicht hat es die Marxisten mit all ihren Irrtümern ja nur gegeben, weil die sogenannten Christen die Lehre des Nazareners nicht wirklich ernst genommen haben. Sonst sähe die Welt heute anders aus.