„Arbeitgeber Kirche – von Nächstenliebe keine Spur“ so titelte Focus Online am 7.1.2010. 1,3 Millionen Beschäftigte arbeiten bei der Kirche als zweitgrößtem Arbeitgeber Deutschlands neben dem Öffentlichen Dienst. Doch einen besonders milden Arbeitgeber – wie man vermuten könnte – haben sie dabei nicht.

Das Kündigungsschutzgesetz gilt grundsätzlich auch in kirchlichen Unternehmen. Doch einer Kindergärtnerin, die einen geschiedenen Mann heiratete, wurde gekündigt. Trotz rechtmäßiger Ehe war die Kündigung wirksam. Dies war nur möglich, weil die Kirche sich Sonderrechte durch den Staat einrichten lässt. Und - man glaubt es kaum – diese Sonderrechte gehen auf die Weimarer Verfassung zurück; hiernach wird der Kirche das Recht zugestanden, „frei von staatlicher Einflussnahme ihre Angelegenheiten zu regeln“ – und zwar selbst dann, wenn die kirchlichen Vorstellungen nicht mit den Wertungen der staatlichen Gesetzt übereinstimmen“.

Zwei Assistenzärzten wurde gekündigt, weil sie sich privat in einem Leserbrief an eine Illustrierte für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen einsetzten. Ebenso wurde ein Buchhalter eines katholischen Jugendheimes entlassen, weil er aus der Kirche austrat.

Das Bundesarbeitsgericht gab den Arbeitnehmern zunächst Recht und die Kündigungen mussten aufgehoben werden. Doch das Bundesverfassungsgericht kippte dieses Urteil mit der Begründung, dass die Richter das kirchliche Selbstbestimmungsrecht zu wenig beachtet hätten.

Doch Kritik kam aus Brüssel, der Deutsche Staat ist mehrfach gerügt worden. Die EU-Kommission rügte, dass „die Europäische Gleichstellungs-Richtlinie mangelhaft umgesetzt“ werde. Außerdem müsse Deutschland seinen Diskriminierungsschutz verbessern.

Bis jetzt zeigte dies wenig Wirkung, die Kirche bestimmt, was Recht ist, und über 1 Mio. Arbeitnehmer müssen sich damit abfinden, dass ihr Privatleben ihren Job kosten kann.

Wenn man bedenkt, dass die kirchlichen sozialen Einrichtungen zum größten Teil vom Staat bezahlt werden, ist dies um so haarstäubender.

Was sagte Jesus von Nazareth dazu? „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gott gebührt.“ Er sagte damit, dass die Gesetze des Staates eingehalten werden sollen und im Leben und Denken Gott die Ehre erwiesen werden soll. Dann soll sich die Kirche nicht länger christlich nennen.